Seid

Galt im Nordischen als mächtigste aller Zauberkünste. Wie der S. ausgeführt wurde, ist unbekannt. Man kennt lediglich die verwendeten Requisiten. Es handelte sich dabei um eine nahezu ausschließlich von Frauen ausgeübte Zauberkunst. Von Männern wurde sie gemieden, da sie eine „hässliche Schwäche“ bewirkt haben soll. Die betreffenden Frauen besaßen den Seid-Stab und die sog. Seid-Plattform, auf der sie in Trance und unter Gesang ihre magischen Operationen ausführten. Die Vorbereitungen begannen am Abend zuvor und hielten anscheinend die ganze Nacht hindurch an, weil die Plattform erst am nächsten Tag bestiegen wurde. Dabei konnte sich das Seidweib ‒ laut Fritjofsaga ‒ in anderer Gestalt, häufig in der eines Tieres, nach entfernten Orten begeben, während ihr Körper auf der Plattform verblieb. Wurde sie bei diesem Ausflug verwundet oder getötet, zeigte sich dies insofern, als die Betreffende in dem Augenblick tot von der Zauberplattform fiel.
Damit ist der Beweis erbracht, dass die Vorstellung von Hexen und Hexenflügen in heidnischen Zeiten auch im Norden nicht unbekannt war.

Lit.: Lehmann, Alfred: Aberglauben und Zauberei. Bindlach: Gondrom, 1990; Habiger-Tuczay, Christa: Magie und Magier im Mittelalter. München: Diederichs, 1992.
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