Auch Sephirot, Sefirot (hebr. Sephira, pl. səfīrōt), hebräische Bezeichnung der zehn göttlichen Emanationen im kabbalistischen Lebensbaum (hebr. Ez Chajim). Nach der von Isaak Luria konzipierten Kabbala (lurianische Kabbala) verkörpern diese Emanationen in ihrer Gesamtheit symbolisch den himmlischen Menschen, den Adam Qadmon. Die Rückseite (sitra achra) des Lebensbaumes bildet der Baum des Todes mit den Qlīpōt.
Sefiroth ist der Plural des hebräischen Wortes Sefira, was Ziffer bedeutet. Die Kabbala sieht in diesem Begriff zugleich den mystischen Ursprung des griechischen Wortes Sphäre.
Das Modell Lebensbaum wird durch die Abfolge der Ziffern von 1 bis 10 (10 = Malchuth, 1 = Kether) strukturiert und will so die göttliche Schöpfung zugleich im Mikrokosmos und Makrokosmos widerspiegeln. Die S. ergeben in ihrer Folge ein dynamisches Modell der Begegnung von semantischen Gegensatzpaaren, die auf der mittleren Achse einen Ausgleich erfahren. Den zehn S. werden sämtliche Inhalte der irdischen und göttlichen Welt systematisch zugeordnet, wozu Deutungen der hebräischen Bibel, Farben, Formen, hebräische Buchstaben, Engel, Welten und Körperglieder gehören. Der Kabbalist vereinigt so alle möglichen Erfahrungen, Elemente und Ereignisse im Modell des Lebensbaumes mit dem Ziel der Vertiefung von Geist und Seele (Vergeistigung). Spekulative Kabbalisten (theoretische Kabbala) meditieren damit, Magier (praktische Kabbala) nutzen es als Modell für magische Operationen.
Der Terminus S. lässt sich zugleich positiv als Merkmal zur Bestimmung eines Werkes als „kabbalistisch“ heranziehen: Werke, die diesen Terminus verwenden, sind als kabbalistisch anzusehen. Die einzige Ausnahme bildet das Sefer Jetzira, das diesen Terminus zwar erstmals verwendet, jedoch kein kabbalistisches Werk darstellt.
Die Namen der zehn Sefiroth sind dem Tanach, der hebräischen Bibel, entnommen:
- Kether oder Kether Eljon (Krone, erster aufleuchtender Punkt)
- Chochmah (göttliche Weisheit, Klugheit, Geschicklichkeit, Schöpfungsplan)
- Binah (Wille, Einsicht, Verstand, Intelligenz)
- Chesed (Liebe, Barmherzigkeit, Gnade, Gunst, Treue), bisweilen auch bezeichnet als Gedulah (Größe, Langmut), Abraham
- Din, Gewurah oder Gebura (Gesetz, Stärke, Macht, Sieg, Gerechtigkeit), Isaak
- Tiphareth (Aufrechterhaltung des Daseins, Pracht, Verherrlichung, Schönheit), Jakob
- Netzach (Ewigkeit, Beständigkeit, Sieg; Ruhm, Blut, Saft)
- Hod (Glanz, Majestät, Donner)
- Jesod (Fundament, Gründung, Grund, Grundstein, Grundlage), Josef
- Malchuth oder Schechina (Königreich, Herrschaft, königliche Würde, Regierung), David
- Da’at (das innere Wissen, Erkenntnis, Empfangen). Das Da’at findet im kabbalistischen Lebensbaum Erwähnung und wird zuweilen als 11. Sefira, Nicht-Sefira oder Schein-Sefira benannt, weil sie keine eigenständige Kraft, sondern einen Zustand repräsentiert, in dem alle göttlichen zehn Sefiroth mystisch vereint sind.
In esoterischen Traditionen hat der Lebensbaum auch im außerjüdischen Kontext erheblichen Einfluss erlangt. So bringt der Hermetic Order of the Golden Dawn die Karten des Tarot damit in Verbindung.