(Hebr., „Buch der Formung“, auch „Buch der Schöpfung“), eine im jüdischen Kontext bekannt gewordene antike kosmologische Darstellung der in ihrer Entstehung (Kosmogonie) und Struktur wesentlichen Elemente der Schöpfung. Es sind dies die 10 Urziffern (Sefiroth) und die 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets.
Das S. wurde in der jüdischen Tradition ab dem 10. Jh. umfassend kommentiert, wobei der rationalen Darstellungsweise des Buches entsprechend zunächst philosophische Zugänge im Vordergrund standen. Ab dem 12. Jh. wurde das S. dann mystisch–spekulativ interpretiert und damit die Bedeutung des Buches für die Kabbala begründet. Häufig wird es als das älteste eigenständig überlieferte Werk der Kabbala bezeichnet, obwohl es als rein kosmologische Abhandlung keinerlei jüdische religiös-theologische Aussagen macht. Seine Schöpfungsvorstellung ist von jener im Buch Genesis sowie dessen Auslegung im Talmud und Midrasch grundverschieden. Es wird weder das Volk Israel noch eine seiner religiösen Vorstellungen, Bräuche oder Autoritäten erwähnt. Dennoch ist sein Einfluss auf die Inhalte der Kabbala erheblich, sodass es als „vorkabbalistisch“ einzustufen ist.
Nach jüdischer mündlicher Tradition gilt als Autor des Werkes der biblische Abraham, im Sinne des „Niederschreibers“, der es bei seiner „Einweihung“ durch Melchisedek empfangen habe. Im Text selbst wird kein Verfasser genannt, jedoch auf Abraham hingewiesen, der als Erster die beschriebenen Wege der Weisheit gegangen sei, weshalb man ihm die Autorschaft zuschreibt.
Selbst in seinen umfangreichsten Fassungen hat das S. kaum mehr als 2000 Worte. Es stellt 32 Bahnen der Weisheit dar, bestehend aus den o.g. 10 Ziffern, den Sefiroth, und den 22 hebräischen Buchstaben.
Der Begriff S. ist eine Neuschöpfung des Buches Jetzira und geht auf den hebräischen Verbalstamm s-f-r zurück, der „zählen“, „schreiben“, „erzählen“ und als Nomen auch „Buch“ (sefer) bedeuten kann. Meist wird Sefira als „Zahl“ übersetzt. Es wird aber auch als „Sphäre“ oder „Element“ wiedergegeben.
Die zehn Sefiroth sind Sinnbilder der dialogischen Struktur der Welt:
Vorher – Nachher; Gutes – Böses; Männliches – Weibliches; Hohes – Niedriges.
Daneben stehen die vier Himmelsrichtungen: Osten – Westen – Norden – Süden.
Das S. kennt noch keine Namen der Sefiroth, wie sie später im Sefiroth– oder Lebensbaum strukturbildend geworden sind. Die Namen werden den zehn Ziffern erst ab dem 13. Jh. im Sohar und daran anschließenden kabbalistischen Werken zugeordnet.
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