Sechshundertsechsundsechzig

Im Satanismus und in den angrenzenden Szenen der Jugendkultur (Gothic, Gruftis) stößt man auf die symbolische Zahl 666, die als Zeichen des Bösen gewertet wird, steht sie doch für „das Tier“ bzw. den „Antichrist“ in der Johannes-Apokalypse des Neuen Testaments. Dort wird in einer geistigen Vision das letzte Gericht Gottes am Ende aller Zeiten geschildert. Sie enthält viele politische Bezüge zur damaligen Zeit. Die Identität des „Tiers“ ist unklar, wenngleich die Christenverfolger Nero und Domitian in die engere Wahl kommen. In bildhafter Sprache wird von Kämpfen der Endzeit gesprochen, welche die Christen damals in der Verfolgung real erlebten. Zwei Untiere treten auf, eines kommt aus dem Meer, ein zweites aus der Erde. Über Letzteres wird gesagt: „Hier ist Weisheit: Wer verstehen kann, berechne die Zahl des Tieres! Denn es ist die Zahl eines Menschen; seine Zahl ist sechshundertsechsundsechzig“ (Offb 13,18).
Diese Zahl gibt zu vielen Spekulationen Anlass. Sie ist ein Ergebnis der Gematrie, eines Zahlensystems, das jedem Buchstaben des Alphabets eine bestimmte Zahl zuordnet, wodurch jedes Wort einen bestimmten Zahlenwert erhält. Allerdings ist dabei das entsprechende Alphabet zu berücksichtigen, für biblische Texte hebräisch und griechisch. So lässt sich die Zahl 666 verschieden auflösen. Legt man hebräische Buchstaben zugrunde, kommen der Brand von Rom im Jahr 64 unter Nero (Kaiser 54 bis 68) und die anschließende Christenverfolgung ins Spiel. Wird andererseits die griechische Inschrift einer Münze herangezogen, könnte es sich auch um den Christenverfolger Domitian (Kaiser 81-96) handeln. Andere wiederum beziehen die Zahl auf die Kaiser Hadrian oder Trajan.
666 bleibt auf jeden Fall eine mystisch-symbolische Zahl, die eine negative Macht suggeriert. Gestützt wird diese Deutung durch den Symbolwert der Sechs, die einerseits „irdische Macht“ zum Ausdruck bringen kann (sechs Schöpfungstage brachten die Welt hervor), andererseits aber auch Unvollkommenheit, weil ein Tag (göttliche Vollendung der Schöpfung) fehlt.
Zentrale Bedeutung hat die Zahl 666 nicht zuletzt im Denken des englischen Okkultisten Aleister Crowley, der sich selbst einmal als „The Great Beast 666“ bezeichnete und Briefe für seine Anhänger mit 666 zu signieren pflegte.
Die Musik macht ebenso Gebrauch von der Zahl 666, vor allem die Heavy Metal-Szene.

Lit.: Böcher, Otto: Die Johannesapokalypse. Darmstadt: Wiss. Buchges., 4. Aufl. 1998; Witulski, Thomas: Die Johannesoffenbarung und Kaiser Hadrian. Studien zur Datierung der neutestamentlichen Apokalypse. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2007.
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