Sechs

Im antiken und neuplatonischen Weltsystem die vollkommenste Zahl, da sie sowohl die Summe (1 + 2 + 3) als auch das Produkt (1 x 2 x 3) ihrer Teile ist. Die Summe der ersten drei Zahlen (1 + 2 + 3) steht für göttliche Allmacht. Daher soll Gott die Welt auch an sechs Tagen geschaffen haben, mit der Erschaffung des Menschen und der Landtiere am 6. Tag.
In der Apokalypse erscheint die S. allerdings als Zahl des Bösen. 666 ist die Zahl des apokalyptischen Tieres.
Besonders stark vertreten ist die S. im Zoroastrismus, wo die sechs Schöpfungsperioden auf die sechs höchsten Engelwesen verteilt sind. Auch kennt der Z. sechs große Feste.
In der islamischen Tradition ist die S. ebenfalls mit der Schöpfung verbunden, jedoch eher negativ. Mystiker und Dichter z.B. erfahren die Welt als einen sechsseitigen Käfig, in dem sie sich von den fünf Sinnen und den vier Elementen gefesselt glauben.
In der hermetisch-mystischen Tradition erscheint die S. in Verbindung mit dem Sechsstern, der aus zwei ineinander geschobenen Dreiecken besteht. Im Altindischen bedeutet dies die Vereinigung des schöpferischen Vishnu-Dreiecks (Spitze nach oben) mit dem zerstörerischen Shiva-Dreieck (Spitze nach unten), was auf die Schöpfung und Vergänglichkeit der materiellen Welt hindeuten soll.
Bei den Kareliern (Nordwest-Russland, Finnland) ist der Glaube vorherrschend, dass ein Verstorbener nach dem Tod in einer Dauer von sechs Wochen alle Schritte seines vergangenen Lebens von Neuem zu gehen hat.
In der Esoterik gilt das Sechseck oder Hexagramm als Symbol der coniunctio oppositorum (Zusammenfall der Gegensätze).
In der Magie wird das Hexagramm mit dem Schild Davids (Davidstern, heute Symbol des Judentums und des Staates Israel) in Zusammenhang gebracht und ebenso wie das Pentagramm zur Anrufung und zur Abwehr von Dämonen genutzt. Auch vom Siegel Salomons ist die Rede, das aber nur eine alte Bezeichnung für den Davidstern ist.
Nicht zuletzt gilt das S.eck als der ideale Baustein in der Natur. Man denke an die Bienenwabe, die hexagonale Kristallform der Schneeflocken oder den aus sechs Kohlenstoffatomen bestehenden Benzolring, der ein wichtiger Bestandteil vieler organischer Moleküle ist.

Lit.: Endres, Franz Carl: Das Mysterium der Zahl: Zahlensymbolik im Kulturvergleich. München: Hugendubel, 1990.

 

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