In seinem Sammelwerk Physiologia Kircheriana experimentalis, das 1680 auch in deutscher Übersetzung erschien, entwickelte der deutsche Jesuit und Universalgelehrte Athanasius Kircher (1602-1680) unter dem Teilabschnitt Scrutinium physico-medicum contagiosae Luis, quae dicitur pestis eine neue Theorie von der Übertragbarkeit von Infektionskrankheiten, wie sie bis dahin einmalig war. Zudem sorgte er dafür, dass man der Pestgeißel nicht wehrlos ausgeliefert war. So empfahl er Abwehr- und Heilmaßnahmen, die im Prinzip noch bis in die heutige Zeit gültig sind. Dazu gehörten z.B. Isolation, Quarantäne, Verbrennen der von den Kranken getragenen Kleidung und benutzten Gegenstände, Räucherung der bewohnten Räume, Atemschutz durch Masken, diätetische Vorschriften, Einnahme von Arzneimitteln (bzw. was man damals darunter verstand), Dampfbäder und nicht zuletzt die religiöse Stärkung durch Gebet und Prozession.
Lit.: Resch, Andreas: Welt- und Menschenbilder (Reihe R; 12). Innsbruck: Resch, 2018.