Scotus, Michael

(Ca. 1180-1232/35), aus Schottland oder Irland stammender Astrologe, Alchemist und Hexenmeister (The Scottish wizard) ‒ Letzteres wohl zu Unrecht, denn er referierte nur über die zu seiner Zeit bekannten magischen Künste, ohne sie selbst aktiv ausgeübt zu haben.
Dante versetzte ihn in seiner Divina Commedia (Inf. XX, 115-118) in den 8. Höllenkreis. Ob er mit dem aus dem schottischen Balwearie bei Kirkcaldy/Fife stammenden Sir Michael Scot ident ist, wird bezweifelt; möglicherweise war er ein Verwandter.
S. erlangte vor allem durch seine aus dem Arabischen erfolgten Übersetzungen von Averroes-Kommentaren zu Werken von Aristoteles Bekanntheit. Sein Onkel schickte ihn zum Studium an eine ausländische Universität. Aufgrund der häufigen Studienaufenthalte im Ausland (Oxford, Paris, Toledo, Padua) muss er vermögend gewesen sein. In Padua war Leonardo Fibonacci sein Schüler. Bekannt waren seine Sprachkenntnisse, die auch von Papst Gregor IX. gerühmt wurden.
S. war von 1217-1220 in Toledo als Übersetzer diverser Schriften aus dem Arabischen tätig. So übertrug er um 1210 als Erster die zoologischen Schriften des Aristoteles aus dem Arabischen ins Lateinische (Historia animalium, De partibus animalium und De generatione animalium). 1217 Vollendung der Übersetzung des arabischen astronomischen Werkes Kitāb fi ’l-haiʾa des Alpetragius. S. lebte später in Palermo am Hof des Stauferkaisers Friedrich II. (1194-1250) als dessen Hofastrologe und übersetzte dort die Abbrevatio de animalibus des Avicenna. Dieses Werk benützte dann Friedrich II. für sein Falkenbuch De arte venandi cum avibus. Wo S. gestorben und begraben ist, wird unterschiedlich angegeben.

W.: De physiognomia et de hominis Procreatione (1477, viele Aufl.); Super auctorem Sphaerae. Bologna, 1495; De chiromantia (1508); Libellus de secretis naturae. Frankfurt, 1615; De sole et luna (in: Theatrum chemicum, Straßbg. 1622).

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