(Wisse die Wege). Das Hauptwerk der hl. Hildegard von Bingen, entstanden zwischen 1141 und 1151 und in 12 Handschriften überliefert, wovon lediglich zwei mit Illustrationen versehen sind, wurde als luzide Erfahrung vor allem in Form von Auditionen und Visionen niedergeschrieben. Dies schlägt sich eindeutig auch in der Formulierung nieder, die sich von der logischen Konstruktion des linearen Denkens klar abhebt.
In S. beschreibt Hildegard in 26 auf drei Bücher aufgeteilten Visionen und Auditionen die enge Verknüpfung von Mensch und Welt mit Gott.
Im ersten Buch, Unter dem Fluch der Sünde, befasst sich Hildegard mit der Liebe des himmlischen Vaters, der Macht des Bösen, der Freiheit, dem Ungehorsam und der Gottbezogenheit des Menschen sowie dem Schutz der Engel.
Das zweite Buch, Das Feuerwerk der Erlösung, macht klar, dass die Engel den Menschen nicht erlösen können. Das kann nur der Dreifaltige Gott. Durch den Sohn wird die Welt erlöst, durch den Geist wird der Mensch in die als Leib und Braut Christi fungierende Kirche eingegliedert, der sich jedoch der Widersacher entgegenstellt.
Im dritten Buch, Die reifende Fülle der Zeiten, wendet sich Hildegard schließlich der Heilsgeschichte zu und beschreibt die fortschreitende Verwirklichung des ewigen Heilsplanes Gottes in der Zeit.
Lit.: Resch, Andreas: Religiöse Erfahrungen und Wunder (Reihe R; 13). Innsbruck: Resch, 2018.