Science-Fiction

Künstlich zusammengesetzter Begriff aus „Science“ ([Natur-]Wissenschaft) und „Fiction“ (Dichtung, Erzählung), dient als Gattungsbezeichnung für Romane, Erzählungen, Filme usw., die sich spekulativ mit künftigen technischen Entwicklungen der Menschheit befassen: Besiedlung ferner Himmelskörper, Invasionen der Erde durch Außerirdische u.Ä.
Die aus dem 2. Jh. n. Chr. stammende Parodie Wahre Geschichten des Lukian von Samosata, des bedeutendsten Satirikers der griechischen Antike, wird von einigen als das erste Werk des Genres angesehen, weil darin von Mond- und Planetenreisen, extraterrestrischen Bewohnern und künstlichem Leben die Rede ist.
Noch vor der Entwicklung des Begriffs selbst finden sich spätestens seit dem Mittelalter Visionen zukünftiger technischer Entwicklungen. So prophezeite schon der englische Philosoph Roger Bacon 1260 den Bau von Maschinen, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen würden. Die S.-F. im engeren Sinne konnte sich aber erst mit der Entwicklung von Wissenschaft und Technik festsetzen, d.h. die eigentliche S.-F.-Ära begann in Europa im 19. Jahrhundert. Zu ihren bekanntesten Vertretern zählen Jules Verne (1828-1905), wenngleich als Begründerin des Genres Mary Shelley mit ihrem Roman Frankenstein hervortritt.

Der Begriff als solcher wurde erstmals 1851 von dem britischen Essayisten William Wilson eingeführt, als Genrebezeichnung endgütig etabliert hat er sich ab 1929. Man begann das Heil der Menschen zunehmend in Wissenschaft und Technik zu sehen. Parallel zum Wissenschaftsglauben entstand aber auch eine Wissenschafts- und Technikangst. Diese Ambivalenz ist prägend für die S.-F., die stets ein Balanceakt zwischen zu starker und zu schwacher Entwicklungsabschätzung bleibt. Je mehr sich S.-F. in ihrer Darstellung von Wissenschaft und Technik bzw. von einem wissenschaftskritischen Standpunkt entfernt, desto mehr nähert sie sich der Fantasy an. Während in Letzterer bestimmte Elemente ohne Erklärung hingenommen werden müssen, versucht S.-F. wissenschaftliche Erklärungen zu liefern. Sie zeichnet sich durch Elemente aus, die in der normalen Alltagswelt zwar noch nicht möglich sind, eines Tages aber durchaus Realität werden können.

Lit.: Dolle, Xavier/Morissette-Phan, Djibril: Die Geschichte der Science-Fiction. Bielefeld: Splitter, 2022.

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