Grenze zwischen Haus und Außenwelt, zwischen zwei Räumen innerhalb eines Hauses oder Übergang von einem Ort bzw. Zustand zum andern.
Da die S. einen ambivalenten Zwischenraum bildet, der keinem der beiden angrenzenden „Räume“ eindeutig zugehört, hat sie häufig sakralen Charakter. So bildete sie z.B. den Eingang zu einem Heiligtum oder zum Adyton, dem Allerheiligsten antiker Tempel, der die profane Welt vom Bereich des Heiligen trennte, welcher geweihten Priestern oder Eingeweihten vorbehalten war. Die S. eines Tempels gilt in vielen Kulturen auch heute als heilig, weshalb vor dem Betreten eine gewisse Reinigung vollzogen werden muss (z.B. Ausziehen der Schuhe vor Betreten einer Moschee) oder das Überqueren der S. rituelle Vorkehrungen erfordert.
Ausgehend von diesen Beobachtungen prägte der Ethnologe Arnold van Gennep (1873-1957) den Begriff der „Schwellen-Riten“ (rites de marge), die zusammen mit den vorausgehenden „Trennungsriten“ (rites de séparation) und den nachfolgenden „Angliederungsriten“ (rites d’agrégation) die „Übergangsriten“ (rites de passage) bilden. Wie van Gennep bemerkt, werden in vielen Riten Übergänge in einem räumlichen Sinn vollzogen, obwohl es sich eigentlich um temporale (z.B. Jahreswechsel) oder soziale (z.B. Statuswechsel) Übergänge handelt.
In alten Zeiten war häufig war von einem „Hüter der Schwelle“ die Rede, der den Eintretenden einer Prüfung unterzog oder bestimmte Opfer von ihm verlangte. So fungierten in den Mythen als Schwellenhüter Drachen, Schlangen, Hunde, Löwen oder sonstige gefährliche Wesen, die überwunden werden mussten.
Selbst im banalen Alltag spielte bzw. spielt die S. in bestimmten Zusammenhängen eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Für die Römer z.B. war das Anstoßen an oder das Stolpern über die S. ein böses Omen. Heute noch macht man sich bisweilen Gedanken darüber, mit welchem Fuß man über die S. tritt; man vermeidet es, auf der S. längere Gespräche zu führen, oder zieht Schlussfolgerungen aus dem Umstand, ob der Bräutigam die Braut über die S. trägt oder nicht.
Lit.: Drury, Nevill: Lexikon esoterischen Wissens. München: Knauer, 1988; Auffahrt, Christoph/Kippenberg/G. Hans/Michaels, Axel (Hrsg.): Wörterbuch der Religionen. Stuttgart: Kröner, 2006.