Schwein

Galt als chthonisches (der Erde zugehöriges) Tier. So holte Vishnu angeblich in Ebergestalt die Erde aus dem Urozean. Der griechischen Erdgöttin Demeter wurden Ferkel geopfert.
In bestimmten Religionen (Judentum, Islam) gilt das S. als unreines Tier, was seinen Verzehr verbietet. Dies war auch im alten Ägypten der Fall, wo es als Gefolgstier des bösen Seth aufgefasst wurde.
Auf den Kanarischen Inseln fungierte das S. als Mittler zu den Ahnen.
Es gehörte weithin zu den gebräuchlichsten Opfertieren, vor allem in der griechisch-römischen Antike.
Auch spielte es eine bedeutende Rolle im Aberglauben, wo es als Orakeltier Verwendung fand.
Aufgrund seiner reichen Nachkommenschaft galt das S. bei Ägyptern, Griechen und Kelten als Fruchtbarkeitssymbol, was sich in Amuletten widerspiegelte. In Syrien war das Tier der Fruchtbarkeitsgöttin Astarte geweiht. In der germanischen Mythologie wurde der Eber Gullinborsti, in dessen goldenen Borsten man die Sonnenstrahlen zu erkennen glaubte, als Reittier des germanischen Fruchtbarkeitsgottes Freyr gesehen.
Dass man das S. auch für ein Glückssymbol hält, beruht möglicherweise auf dem Unwissen darüber, dass bei Wettkämpfen ein S. ursprünglich den als Spott gedachten Trostpreis für Verlierer darstellte.
Wegen seines Wühlens im Unrat und seiner Gefräßigkeit identifizierte man es mit Verrohung und Niedrigkeit, in der mittelalterlichen Kunst mit Maßlosigkeit (Völlerei). Letztere betrachtete es auch als Verkörperung des Bösen bzw. des Teufels: „Da verließen die Dämonen den Menschen und fuhren in die Schweine, und die Herde stürzte sich den Abhang hinab in den See und ertrank“ (Lk 8,33). Andererseits haben auch die S.e einen Patron: den Wüstenmönch Antonius, u.a. bekannt als „Sautoni“.
Eine besondere Rolle spielte, wie erwähnt, der Eber, dessen Kampfeslust ihn unter anderem zum Feldzeichen der Gallier und zum Helmschmuck der Germanen werden ließ.
Im chinesischen Tierkreis besetzt das S. das letzte Zeichen und erfreut sich einer relativ positiven Bewertung, gepaart mit Naivität und Gutgläubigkeit.

Lit.: Herder-Lexikon Symbole. Freiburg i.Br.: Herder, 7. Aufl. 1978; Lurker, Manfred: Wörterbuch der Symbolik. Stuttgart: Kröner, 1991.

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