Schwarzer Hund

(„Black dog“), geisterhaftes Wesen, das gehäuft im britischen und deutschen Volksglauben sowie in den Volkssagen des deutschsprachigen Raumes auftritt. Der Unterschied zu einem gewöhnlichen Hund bestehe darin, dass der Schw. H. meist größer sei, einen anderen Körperbau aufweise, unheimlich leuchtende Augen habe und ein anderes Verhalten zeige. Genauer gesagt würde eher die Bezeichnung „Schwarzer Phantom-Hund“ zutreffen.
Die Entstehung der Legenden vom Schw. H. ist unklar. Am ehesten kommen dafür die keltische oder die gemanische Mythologie in Frage. In der gesamten europäischen Mythologie wurden Hunde mit dem Tod assoziiert. Man denke nur an
Zerberus als Hüter der Unterwelt.
Die erste bekannte Schilderung eines Geisterhundes in der westlichen Welt entstammt den Annales Bertiniani, einem im 9. Jh. im Westfrankenreich entstandenen Geschichtswerk. Demzufolge soll 857 während einer Messe des Bischofs Theutgaud das Böse in Gestalt eines Schwarzen Hundes aus den Tiefen der Erde in den christlichen Sakralraum eingedrungen sein und die Menschen in Angst und Schrecken versetzt haben.

Schwarze Hunde gelten häufig als unheilbringend oder übelwollend und werden nicht nur als Todesomen, sondern oft auch als mit dem Teufel verbunden beschrieben. Verschiedenen überlieferten Geständnissen vermeintlicher Hexen zufolge soll Letzterer beim Hexensabbat als Schw. H. aufgetreten sein.
Im 17./18. Jh. wurde der Schw. H. schließlich zu einer Metapher für Melancholie. Verkörperte er bis dahin eine böse Macht im Außen, wandelte er sich nun zu einer zerstörerischen Kraft im Innern des Menschen. So wurden Melancholiker in manchen Quellen als Personen beschrieben, auf deren Rücken der Schw. H. sitzt. Winston Churchill z.B. bezeichnete seine Depressionen als einen ihn begleitenden Schw. H.

Lit.: Westwood, Jennifer/Simpson, Jacqueline: The Lore of the Land: A Guide to Englandʼs Legends, from Spring-heeled Jack to the Witches of Warboys. Penguin Books, 2006; Schäfer, Florian u.a.: Fabeltiere: tierische Fabelwesen der deutschsprachigen Mythen, Märchen und Sagen. Wien: Böhlau, 2023; Sherwood, Simon J.: Erscheinungen Schwarzer Hunde. Zeitschrift für Anomalistik 11 (2011), 113-135.

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