Schwarze Messe

Die christliche Messe pervertierende und karikierende rituelle Praktik im Satanismus mit schwarz-magischen Handlungen (auf den Kopf gestelltes Kreuz, entweihte Hostien, rückwärts rezitierte Gebete). In Schw. M.n werden dämonisch-satanische Mächte beschworen, die magische Energien zum gewünschten Ziel, vor allem Liebes- und Schadenszauber, lenken sollen. Das Ritual ist zumeist mit primitiven triebhaften und blasphemischen Elementen angereichert.
Zweifelsfrei nachgewiesen sind Schw. M.n erst seit dem 20. Jh., wenngleich es Berichte darüber schon seit dem späten Mittelalter gibt. So herrschte z.B. die Annahme vor, dass Hexen während der sog. Hexensabbate blasphemische Umkehrungen der hl. Messe feiern würden, die auch sexuelle Ausschweifungen umfassten.

In der modernen Hexenforschung wird hingegen Berichten über Schw. M.n, Hexensabbate und Teufelspakte wenig Glaubwürdigkeit beigemessen, da sie stets auf unter Folter erpressten Geständnissen beruhten. Es wird zwar nicht in Abrede gestellt, dass es Schw. M.n gab, allerdings nicht in der von den Quellen behaupteten Häufigkeit und Zügellosigkeit.
Die Herkunft der Bezeichnung Schw. M. lässt sich nicht mehr genau feststellen. Laut dem Religionswissenschaftler Gerhard Zacharias (1923-2000) kommt der Name von den benutzten schwarz gefärbten Hostien oder den teilweise als „Hostienersatz“ verwendeten schwarzen Rübenscheiben. Wahrscheinlicher aber ist, dass der Name im Zusammenhang mit der während einer solchen Messe stets präsenten schwarzen Magie zu verstehen ist.
Für die Ethnologin Sabine Doering-Manteuffel (*1957) zeigen das Feiern Schw.r M.n, Teufelsanbetung und die Ritualisierung des Bösen als Aspekte des modernen Satanismus eine Kehrseite des Wertewandels der 1960er und 1970er Jahre. Sie hält das Spiel mit provokativen bzw. negativen Wertalternativen für ein wichtiges Motiv der satanistischen Jugendszene.

Lit.: Zacharias, Gerhard: Satanskult und Schwarze Messe. Berlin: Herbig, 1979; Rainer, Karin: Literatur des Bösen: Satan, Teufelskult und Schwarze Messen in der Literatur. Marburg: Tectum-Verlag, 2007.
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