Schwager, Leo

Sachverhalt: Bruder Leo wurde als Bernhard-Josef Schwager am 19. Mai 1924 in Fribourg (Schweiz) geboren, wo er auch zur Zeit der Heilung, am 30. April 1952, im Alter von 28 Jahren, lebte. Sch. hatte in seiner Jugend einige Unfälle erlitten, darunter einen Sturz mit dem Fahrrad (1936) und einen Pferdetritt (1947), bei dem er eine Gehirnerschütterung davontrug. Das hinderte ihn aber nicht daran, bei den Benediktinern in Fribourg als Novize einzutreten, wobei er den Namen Bruder Leo annahm. 1947 traten Sprech-, Seh- und Gleichgewichtsstörungen auf, die jedoch meistens rasch wieder verschwanden. Sehr bald wurde multiple Sklerose diagnostiziert. Dennoch erteilten ihm die Ordensoberen die Erlaubnis zur zeitlichen Profess am 18. Dezember 1947 und zur ewigen Profess am 8. Dezember 1950, im Alter von 26 Jahren. Im Dezember 1951 verschlimmerte sich sein Gesamtzustand. Eine halbseitige Lähmung mit erheblicher Sprachstörung machte sich bemerkbar. Bruder Leo wurde zur Untersuchung in das Spital eingewiesen, weil man eine Nervenentzündung vermutete. Ende des Jahres stand schließlich eindeutig fest, dass es sich um multiple Sklerose handelte.
Ein paar Monate später entschloss sich Bruder Leo, nach Lourdes zu pilgern, wo er am 30. April 1952 mit dem deutsch-schweizerischen Pilgerzug ankam und bereits am Vormittag und dann nochmals am Nachmittag desselben Tages zu den Bädern geführt wurde. Bei der darauffolgenden Sakramentsprozession verschwanden beim Segen mit dem Allerheiligsten unter den Augen der begleitenden Ärzte all seine Symptome. Professor Barbin von der medizinischen Fakultät in Nantes, ein unmittelbarer Augenzeuge der außergewöhnlichen Heilung, schreibt in seinem Bericht, dass er plötzlich einen ziemlichen Lärm vernahm und seinen Blick daraufhin sogleich den Kranken zuwandte. Da sah er, wie sich links von ihm ein Ordensmann von der Trage auf die Knie warf. Er sah aus wie in Ekstase und blickte unverwandt das Allerheiligste an, das sich von ihm entfernte. Barbin bemerkte zugleich, dass er kaum Luft zu bekommen schien, so als habe er einen Schlag oder eine heftige Rührung erfahren. Am Ende der Prozession stand Bruder Leo ohne jede Hilfe auf. Er konnte wieder stehen, gehen, sprechen, sehen und essen.
Am folgenden Tag stellte er sich mit einem der Ärzte des Pilgerzuges dem Ärztebüro. Eine im Zuge der Untersuchung durchgeführte neurologische Überprüfung erwies sich als normal. Man lud Bruder Leo zu einer weiteren Untersuchung im kommenden Jahr ein. Nach Rückkehr in das Kloster wurde er von seinem Arzt untersucht, der keine Anzeichen der früheren Krankheit mehr finden konnte. Bruder Leo nahm seine Arbeit im Kloster wieder auf und kam 40 Jahre hindurch jedes Jahr nach Lourdes, wo er sich als Krankenträger und dann als Organisator der Pilgerfahrten der deutschsprachigen Schweiz betätigte.
1956 befanden die Ärzte des Medizinischen Büros, dass vier Jahre seit der Heilung hinreichten, um Schlussfolgerungen zu ziehen. Man pflichtete jedoch der Bitte der Ärzte des Pilgerzuges bei, auch das medizinische Dossier von Bruder Leo einzubeziehen. Dieses Dossier mit der ausdrücklichen Zustimmung der Schweizer Ärzte zur Anerkennung der Außergewöhnlichkeit der Heilung wurde dem Ärztebüro allerdings erst im August 1958 übermittelt. Das Büro bestätigte daraufhin, dass es sich um eine echte, dauerhafte und nicht erklärbare Heilung handle und dass die Akte dem Internationalen Medizinischen Komitee vorzulegen sei. Im April 1959 bescheinigte Prof. Francois Thiebaut, Inhaber des Lehrstuhls für Neurologie an der Universität Straßburg, in seinem Bericht, dass die Heilung medizinisch nicht erklärbar sei. Diese Aussage wurde von der großen Mehrheit der Mitglieder angenommen und zudem die Benachrichtigung der Diözese befürwortet.
Medizinisches Gutachten:
Diagnose: Multiple Sklerose für fünf Jahre.
Prognose: Keine Aussicht auf Heilung und Lebensgefahr (infaust quoad valetudinem et vitam).
Therapie: Unwirksam.
Art der Heilung: Plötzlich, vollständig und dauerhaft, medizinisch nicht erklärbar.
Kirchliche Approbation:
Am 18. Dezember 1960 wurde die Heilung von Bruder Leo Schwager nach positiver Beurteilung durch die kanonische Kommission von Bischof François Charrière von Lausanne, Genf und Fribourg als Wunder anerkannt.

Lit.: Resch, Andreas: Die Wunder von Lourdes (Reihe R; 5). Resch: Innsbruck, 22015.

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