Schutzzauber

Die Ursachen unheilvoller Ereignisse werden vielfach bei übernatürlichen und böswilligen Mächten oder kraftgeladenen, zauberischen Gegenständen gesucht. Um solche Kräfte fernzuhalten, bedient man sich mannigfaltiger Schutzmittel, die ihre Vorläufer großteils in alten heidnischen Bräuchen und Vorstellungen haben.
In schriftloser Zeit handelt es sich dabei naturgemäß um Gegenstände, denen man eine spezielle Zauberkraft beimisst und die den Besitzer durch einfaches Bei-sich-Tragen schützen sollen, z.B. Amulette.
Daneben gibt es die Idee des Schutztieres, das in die Rolle eines Schutzgeistes schlüpft, weil es aus Sicht des Menschen über eine Kraft oder über gewisse Funktionen verfüge, die diesem fehlen (größere Muskelstärke, schärfere Sinnessorgane usw.). Man spricht hier von sog. Sympathietieren. Auch tote Tiere können Schutz repräsentieren (ausgestopfte Eule, Fledermaus mit ausgebreiteten Flügeln, an Stalltüren aufgehängte Rindsschädel im Alpenraum).
In alten Religionen, z.B. im Zweistromland oder in Ägypten, wurde Göttern die Rolle von Schutzmächten zugewiesen, die in Form von Statuetten oder auf Gemmen Schutz gewähren sollten.
Wenngleich dämonische und göttliche Gestalten in christlicher Kulturumgebung durch die Heiligen abgelöst wurden, setzt man in bestimmten Regionen weiterhin auf die schützende Kraft z.B. des hl. Leonhard oder des hl. Wolfgang, deren Bildnisse, auf Blechtäfelchen über der Stalltür angebracht, das Eindringen wilder Tiere verhindern sollen.
Nicht zuletzt haben auch Pflanzen ihren Platz im Sch., was vermutlich in vielen Fällen mit deren Heilkraft zusammenhängt. Dabei bedienen sich Schaden– und Schutzzauber häufig derselben Mittel, indem sie im Kampf gegeneinander die gleichen Waffen führen. Das heißt, wo ein Kraut als Schädigungsmittel verwertet wird, dient ein anderes als Schutz- oder Heilmittel.
Ein besonderer Gegenstand von Schutzmaßnahmen ist schließlich das Haus als Inbegriff familiären und sachlichen Besitzes. So werden Bauernhäuser, zumindest im Alpenraum, vielfach dadurch geschützt, dass man an verschiedenen Stellen, von der Schwelle bis zum Giebel, Schutzbuchstaben und -zeichen anbringt. Ein Beispiel sind die mittels Kreide auf Türen angebrachten Buchstaben C M B mit jeweils einem Kreuz dahinter, die heute allgemein als die Anfangsbuchstaben der Heiligen Drei Könige gelten.

Lit.: Bächtold-Stäubli, Hanns (Hrsg.): Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens. Berlin u.a.: Walter de Gruyter, 1987.

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