Nach christlicher Lehre ein Engel, der nach der Vertreibung der ersten Menschen aus dem Paradies jedem Menschen zur Seite steht, damit er den Nachstellungen Satans nicht schutzlos ausgeliefert sei.
Die Annahme der Existenz von Sch.n fußt auf alttestamentlichen Aussagen. So wiederholt die Lesung am Sch.fest seit Jahrhunderten: „Ich werde einen Engel schicken, der dir vorausgeht…“ (Ex 23,20) Als Beleg für die Existenz von Schutzengeln mag auch Psalm 91 gelten, wo es heißt: „Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen. Sie tragen dich auf ihren Händen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.“
Während die Verehrung von Sch.n seit dem 9. Jh. nachweisbar ist, kam ein eigenes Fest erst Anfang des 16. Jh. in Spanien und Frankreich auf, in den habsburgischen Ländern 1667. Papst Klemens IX. (1667-1669) bestimmte dazu den 1. Sonntag im September, Pius X. (1903-1914) verlegte das Fest schließlich auf den 2. Oktober.
Als persönliche Schutzgeister tauchen Sch. bereits in der Spätantike und im Alten Orient auf. So galt in der babylonischen Religion das Mischwesen Karibu (hebr. Cherubim) ‒ halb Mensch, halb Tier ‒ als Wächter der Tempel und Häuser. Die alten Perser verehrten die Fravashi (die Erwählten), die als Urgeister Teil jeder Seele waren und den Menschen beschützten. Bildlich stellte man sie sich mit scharfen Speeren und schnellen Rossen vor, um jeden Feind abzuwehren. Die Griechen sprachen von Daimonion, der ein Ratgeber des Sokrates gewesen sein soll. Der Neuplatoniker Jamblichos lehrte, dass der Schutzgeist einem Menschen nicht aufgrund der Planetenkonstellation zukomme, sondern schon lange vorher bestimmt sei. Die Römer waren überzeugt, dass ihr Leben in den Händen eines Genius liege, der ihnen von Beginn ihres Daseins an zur Seite stünde. Ihnen war auch der Gedanke vertraut, dass Völker und Städte einen Genius haben können. Die Germanen glaubten an ein „zweites Ich“, das sie Fylgjur nannten. Dieser Schutzgeist gehörte zwar zum Körper eines Menschen, konnte sich aber zeitweilig von ihm trennen.
In der Renaissance hielt das Sch.motiv schließlich Einzug in die darstellende Kunst. Zu einer Hochblüte kam es im 19. Jh., wo es bei den späten Nazarenern sehr beliebt war. Die Gattung der berühmten Sch.bilder verbreitete sich seit den 1880er Jahren.
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