Scholz, Wilhelm von

(* 15.07.1874 Berlin; † 29.05.1969 Konstanz), Dramaturg, Schriftsteller, Lyriker, essayistischer Materialsammler bezüglich des von C.G. Jung so genannten Phänomens der Synchronizität; S. prägte dafür die Bezeichnung „Anziehungskraft des Bezüglichen“ (publiziert in der Frankfurter Zeitung vom 15.04.1923).
Aufgewachsen in Berlin, übersiedelte S. 1890 mit seinem Vater Adolf Scholz (preuß. Finanzminister) auf Schloss Seeheim bei Konstanz. Nach dem Studium der Literatur in Berlin, Kiel und Lausanne promovierte er in München über Annette von Droste-Hülshoff. 1916 Dramaturg am Landestheater in Stuttgart. Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers (1933) unterzeichnete S. mit vielen anderen das Gelöbnis treuester Gefolgschaft und wurde Mitglied und 1951 Präsident der Deutschen Akademie der Dichtung. 1944 Ehrendoktorat der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg; 1949 Präsident des Verbandes deutscher Bühnenschriftsteller und Komponisten, aus dem er 1952 (aus Protest gegen dessen Teilung) wieder austrat. Der von der Stadt Konstanz gestiftete Wilhelm von Scholz-Preis wurde wegen antisemitischer Äußerungen von S. 1989 wieder abgeschafft. Wegen der Diskussion um seine pro-nationalsozialistische Einstellung verzichtete S. auf die Verleihung der Ehrenbürgerschaft durch die Stadt Konstanz. Grabstätte im „Allmannsdorfer Friedhof“ in Konstanz.

W.: Der Zufall und das Schicksal (31924 ‒ die dritte umbenannte und überarbeitete Auflage von „Der Zufall, eine Vorform des Schicksals“: Die Anziehungskraft des Bezüglichen. Stuttgart, 1923), München: List, 1959 (List-Bücher; 133); auch Herder, 1983.
Lit.: Regener, Edgar Alfred: Wilhelm von Scholz. Aufl. Leipzig u.a.: Magazin-Verl. Hegner, 21905; Reis, Arnold Mathias: Wilhelm von Scholz. Studien zu seiner Weltanschauung. Würzburg-Aumühle: Triltsch, 1939; Reile, Holger: Versuchte Ehrenrettung für einen Nazidichter. Berlin: Neues Deutschland, 2. Januar 2008.

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