Schmetterling

(Lepidoptera). Durch das Verpuppen und Schlüpfen aus dem anscheinend leblosen Kokon nach monatelanger äußerer Ruhe stand der Sch. in der Antike für Wiedergeburt und Unsterblichkeit. Im alten Ägypten galt er als Sinnbild für die Seele, auch die Griechen stellten diese gerne als Sch. dar. Selbst heute herrscht bei verschiedenen Völkern noch der Glaube vor, dass die Verstorbenen bzw. ihre Seelen die Gestalt von Sch.en annehmen können. Vom Christentum wurde der Sch. als Auferstehungssymbol übernommen, wobei die Raupe auf das Leben, die Puppe auf den Tod und der Sch. auf die Auferstehung hindeutet. Diese Symbolik findet sich auch auf zahlreichen Grabmalen wieder.
In Altmexiko war der flatternde Falter ein Symbol für die flackernde Flamme und damit ein Attribut der Feuergottheiten. Die Völker Mittelamerikas verbanden den Sch. und seine Metamorphose ebenfalls mit Mythen. Verschiedene Arten wurden mit verschiedenen Göttinnen, dem Feuer oder Todesboten gleichgesetzt. Schwarze Sch.e gelten heute noch als solche. Auch in vielen asiatischen Regionen werden sie als Todesboten und Unheilbringer angesehen, oft aber auch als Symbol des Neubeginns.Von den Indianern Nordamerikas sind ebenso Bräuche und Riten mit Bezug zum Sch. bekannt. Diese mystische Beziehung hat sich teilweise bis in die heutige Zeit erhalten.
Im Volksglauben kann der Sch. die Verkörperung der Seele sein oder auch als Hexentier oder Krankheitsdämon auftreten. Unheimlich kam er den Menschen früher vor, wenn er sich abends oder nachts blicken ließ. Man glaubte auch, Hexen würden diese Gestalt annehmen, um in die Häuser einzudringen und den Bewohnern zu schaden oder zumindest die Sahne von der Milch zu stehlen. Daher war je nach Region von „Molkendieb“, „Milchdieb“ oder „Milchtrud“ die Rede. Schon Jacob Grimm vertrat die Meinung, dass selbst das englische Wort für „Schmetterling“, butterfly („Butterfliege“), auf diesen Glauben anspielte.
Nicht zuletzt ist der Sch. aufgrund seiner kurzen Lebensdauer ein Symbol für die Vergänglichkeit von Schönheit und Liebesglück. Außerdem symbolisiert er Eitelkeit.

Lit.: Godzik, Peter: Was weiß die Raupe schon vom Schmetterling: Aufbruch zu Wandlung, Freiheit und unvergänglichem Leben. Hamburg-Schenefeld: EB-Verlag, 2007.
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