Schlüssel

Galt aufgrund seiner Eigenschaft, auf- und einzuschließen, schon früh als Träger der Kraft, wobei Letztere noch gesteigert sein soll, wenn sein Bart einen Kreuzschnitt hat („Kreuzschlüssel“).
In der Hand von Göttern (Janus, Helios, Kronos, Hekate), Engeln (Michael) und Priestern ist er ein Emblem ihrer Herrschaft über den ihnen unterstellten Bereich, zu dem er den Zugang vermittelt.
In Märchen und Volkssagen deutet der Sch. oftmals auf einen erschwerten Zugang zu Geheimnissen und Schätzen hin.
In esoterischen Symbolsprachen hat der Besitz eines Sch.s die Bedeutung von „eingeweiht sein“. In der
Pistis Sophia, einem der wichtigsten koptisch-gnostischen Texte, ist er ein sprachliches Bild für die Mysterien, die dem Eingeweihten den Himmel aufschließen. Ähnlich im Okkultismus, wo er ein Symbol für den Zugang zu einem Geheimnis oder Mysterium, zu etwas, das normalerweise „verborgen“ ist, verkörpert. Das mittelalterliche Grimoire mit dem Titel Clavicula Salomonis („Schlüssel Salomos“) sowie Eliphas Lévis Schlüssel zu den großen Mysterien (1928) sind Beispiele für Zauberbücher mit diesem Sinngehalt.
Der Symbolgehalt des Sch.s ist generell vielfältig. So gilt er in alten freimaurerischen Ritualen als Abzeichen der Meisterwürde und ist Beamtenkleinod des Schatzmeisters. In Japan ist er ein Glückssymbol, weil er den Zugang zur Reiskammer (im übertragenen, geistigen Sinn zu den verborgenen Schätzen) gewährleistet. Im Mittelalter stellte die Schlüsselübergabe eine symbolische Rechtshandlung dar, die Vollmachten verlieh. In der christlichen Kunst ist er Symbol (Doppelschlüssel) für die dem Apostel Petrus verliehene Vollmacht, zu lösen und zu binden, wie es in Mt 16,19 heißt: „Ich werde dir die Schlüssel des Himmelsreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.“ Dies wird auch heute noch im Papstwappen zum Ausdruck gebracht.
Nicht zuletzt ist der Sch. ein Symbol für Verschwiegenheit.

Lit.: Lurker, Manfred: Wörterbuch der Symbolik. Stuttgart: Kröner, 1991; Wetzel, Christoph: Das große Lexikon der Symbole. Darmstadt: Primus, 2008.
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