Nach dem Volksglauben gehört die Sch. zu den sagenhaften und mystischen Tieren des Fabelreiches. Die Literatur berichtet von geflügelten, gefiederten, gehörnten und mehrköpfigen, ebenso von gekrönten und schatzhütenden, ehernen und von „sich in den Schwanz beißenden“ Schlangen (Ouroborus). Auch in der Emblematik und bei den Freimaurern ist die Ouroborus-Sch. präsent.
Der Todesbezug rückt Sch.n in die Nähe der Dämonen. Ihr dämonisches Wesen wird seit jeher mit besonders tückischen Eigenschaften in Verbindung gebracht (lautloses Kriechen, tödliches Gift, starrer, hypnotisierender Blick, gespaltene Zunge als Sinnbild der Lüge ‒ daher Symbol der Falschheit, Hinterlistigkeit und des Verrats).
Im mesopotamischen Gilgamesch-Epos frisst die Sch. das Lebenskraut. Die Apophis-Sch. stellt eine allnächtliche Bedrohung für den ägyptischen Sonnengott Re dar. Die Huronen sehen in Sch.n die Verursacher todbringender Krankheiten. Und über die Sch. im Paradies, die mit ihrem Tun Unheil über die Menschheit bringt, heißt es in der Bibel: „Weil du das getan hast, bist du verflucht unter allem Vieh und allen Tieren des Feldes. Auf dem Bauch sollst du kriechen und Staub fressen alle Tage deines Lebens“ (Gen 3,14).
Im Zoroastrismus ist die Sch. das schlimmste Lebewesen, das Ahriman gegen die gute Schöpfung hervorgebracht hat. Auch andere indoeuropäische Völker deuten das Auftreten von Sch.n als Vorboten von Unheil.
Wenngleich die negativen Aspekte überwiegen, gibt es auch Positives. So verleiht die erdbezogene Lebensweise Sch.n chthonischen Charakter, der Fruchtbarkeit und Leben bedeutet. Dafür steht z.B. die heil(ung)bringende Sch. im griechischen Äskulap-Kult. Die Häutung wird als Symbol der Unsterblichkeit gedeutet. Die Alchemisten sehen in der Sch. ein Bild für die Wandlungsfähigkeit der Materie. Bei manchen afrikanischen und indianischen Ethnien ist die Sch. ein Seelentier. Im Tantrismus versinnbildlicht sie die aufsteigende spirituelle Kraft im Menschen.
Beliebt ist die Verwendung von Schlangenmitteln (Fleisch, Augen, Zähne, Haut usw.) zur Bekämpfung von Krankheiten, aber auch zu magischen Zwecken werden diese eingesetzt. Schlangenabbildungen gelten vielfach als Schutz gegen Dämonen und schädliche Einflüsse.
In der Religionsgeschichte teilen Sch.n die ambivalente Stellung von Drachen, unterscheiden sich von diesen aber durch ihren Realbezug.
Lit.: Schöpf, Hans: Fabeltiere. Graz: ADEVA, 1988; Lexikon für Theologie und Kirche (LThK), Bd. 9. Freiburg i. Br. u.a.: Herder, 2000; Wetzel, Christoph: Das große Lexikon der Symbole. Darmstadt: Primus Verlag, 2008.