Schisch-Stechen

In Aleppo bzw. in Nord-Syrien gibt es das sog. Schisch-Stechen, abgehalten in Ordens- und Privathäusern, als eine ekstatische Form der Religion im Rahmen des dhikr (meditative Übung zur Vergegenwärtigung Gottes). Dadurch soll der Schaych öffentlich als Wunderwirker und als charismatische Persönlichkeit ausgewiesen werden. Der Höhepunkt dieser von der Bruderschaft organisierten Veranstaltung, die sich beim Volk ‒ weniger bei den Gelehrten ‒ großer Beliebtheit erfreut, besteht darin, „dass sich eine Reihe Männer (Schüler: pl. muridīn), von ihrem Schaych authorisiert, spitze Eisenspieße (šīš) durch Bauch, Hals, Zunge oder Backenwange stechen … Als gelungen gilt diese Vorstellung, wenn sich die Männer bei der Prozedur nicht verletzen und wenn beim Herausziehen der Spieße kein Blut fließt (was einigen mehr als anderen gelingt). Die Akteure streichen ihren Speichel über die Wunde, sagen bi-smi-llah („im Namen Gottes“), und die Wunde schließt sich“. Mit dem Sch. verbindet man „eine fromme religiöse Veranstaltung, die dem Haus Segen bringt“.

Lit.: Gonella, Julia: Islamische Heiligenverehrung im urbanen Kontext am Beispiel von Aleppo (Syrien). Berlin: Schwarz, 1995.

Setze ein Lesezeichen für den Permalink.