Schilfrohr

(Phragmites australis). Nach den mythologischen Vorstellungen des Shintoismus begann die Weltschöpfung damit, dass aus den Urwassern überall Sch. hervorspross.
In der keltischen Mythologie wird das Bild des Sch.s und sein Spiegelbild im Wasser als ein Symbol für die Korrespondenz und die Harmonie zwischen der materiellen Welt und der Anderswelt gedeutet.
Das Sch. gilt als ein Sinnbild des Wankelmuts und der Schwäche, weil es im Wind schwankt; andererseits ist seine Biegsamkeit auch ein Zeichen für Flexibilität.
Vom Sch. ist nicht zuletzt in der Bibel die Rede. So gab es z.B. am Jordan Sch. in Hülle und Fülle, worauf die Frage Jesu in Mt 11,7 anspielt, mit der er auf Herodes hindeutet: „Warum seid ihr in die Wüste hinausgezogen? Um ein Schilfrohr zu sehen, das im Winde schwankt?“

An anderer Stelle, im Rahmen der Passion, verspotten die römischen Soldaten Jesus, wenn sie ihm anstelle des für orientalische Herrscher üblichen Szepters einen Stock aus Sch. in die Hand drücken und ihn am Ende damit auch schlagen (Mt 27,30). Manche Ecce homo-Darstellungen verweisen explizit auf diese Szene.

Lit.: Hepper, Frank Nigel: Pflanzenwelt der Bibel: eine illustrierte Enzyklopädie. Stuttgart: Dt. Bibelgesellschaft 1992.
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