Schildkrötenorakel

Frühe chinesische Methode des Wahrsagens. In der späteren chinesischen Geschichte gelangte das Sch. sowohl in der Kunst als auch in Literatur und Philosophie zu beträchtlichem Ruhm. In den alten Mythen wird die kosmische Schildkröte als die Grundlage der Welt bezeichnet. So würden die runden und gewölbten Schalen die Himmel darstellen und die flache Unterseite die quadratische Erde repräsentieren, wobei die vier Beine die vier Viertel der Erde bezeichnen. Die Überlieferung, dass die Erde von einer Schildkröte getragen werde, geht vermutlich auf den taoistischen Text des Lieh-tzu zurück.
Die heilige und rätselhafte Bedeutung des Tieres aber leitet sich zum Großteil von Traditionen ab, die sich um das I Ching, das Buch der Wandlungen, ranken. Die Bausteine für die 64 Hexagramme, um die sich der Wahrsagetext gruppiert, wurden von Kaiser Fu Shi entdeckt, der sich an den Mustern von Himmel und Erde und an den Vögeln und Tieren orientierte. Anderen Legenden zufolge werden vor allem die Muster auf dem Schildkrötenpanzer als Ursprung der genannten Bausteine wie auch des chinesischen Schriftsystems angesehen.

Lit.: Das Oxford-Lexikon der Weltreligionen. Hrsg. v. John Bowker/Karl-Heinz Golzio. Düsseldorf: Patmos, 1999.
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