Schierling

(Conium maculatum L.), gehört zur Familie der Doldenblütler, war im antiken Griechenland der Göttin Hekate geweiht, die seit jeher als Schutzherrin und Ratgeberin der Hexen galt. Diese verwendeten den S. nicht nur für Giftmorde, sondern auch als wesentlichen Bestandteil ihrer Flugsalben. Durch chemische Experimente wurde der Nachweis erbracht, dass das Gift des Schierlingsaftes, vor allem das Coniin, in kleinen Mengen genommen oder unter die Haut gerieben, das Gefühl erzeugen konnte, durch die Luft zu gleiten.
Da der S. ebenso im Ruf stand, die geschlechtliche Potenz zu mindern, wurde auch dies zauberischen Machenschaften zugeschrieben. Andererseits bediente man sich seiner bei einer „angezauberten“ Liebe als Gegenmittel, um das Verlangen nach einer Person abzutöten.
Der Sokrates gereichte Becher erhielt aller Wahrscheinlichkeit nach S., vermischt mit Laudanum und Wein. Wie Plinius berichtet, fand diese Mischung bei den Griechen vor allem für zum Tod Verurteilte Verwendung, hauptsächlich bei politischen Missetätern. S. war von der Obrigkeit aber auch als Mittel für Selbstmorde der Alten geduldet, die der Gesellschaft nicht länger zur Last fallen wollten.
Jedenfalls gehörte S. zu den ersten Pflanzen, die sich bei der Narkose verwenden ließen.

Lit.: Schöpf, Hans: Zauberkräuter. Graz: Akadem. Druck- u. Verlagsanst., 1986; Ober, William B.: Did Socrates Die of Hemlock Poisoning?, in: Ders.: Boswell’s Clap and Other Essays. Medical Analyses of Literary Men’s Afflictions. London: Allison & Busby, 1988.

 

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