Schermann, Raphael

(* 18.04.1874 Krakau; † ca. 1943 in einem Arbeitslager in der Sowjetunion), polnischer intuitiver Grafologe („Metagrafologe“), dessen erstaunliche Kenntnisse weit über die eines normalen „Grafocharakteranalytikers“ hinausgingen.
Schon als Zwölfjähriger verfasste S. Charakteranalysen auf der Grundlage von Handschriften. Nach einem USA-Aufenthalt kehrte er nach Österreich zurück, ließ sich in Wien nieder und arbeitete als Beamter in einem Versicherungsunternehmen. Während des Ersten Weltkrieges diente er in der Österreichischen Armee, reiste 1923 wieder in die USA und arbeitete nach seiner Rückkehr neuerlich als Berater von Versicherungsgesellschaften. Während des Zweiten Weltkriegs kehrte S. in seine Heimatstadt zurück, wo er offensichtlich ein Opfer der Besetzung Polens durch die deutsche Besatzungsmacht wurde.
S. konnte allein durch das Ansehen oder auch nur durch Berühren der Handschrift einer Person charakteristische Details über diese angeben bzw. beim Anblick des Fotos einer Person auch deren Handschrift reproduzieren. Die erhaltenen Informationen bezogen sich meist auf Vergangenes oder Gegenwärtiges, selten auf Zukünftiges. S. wurde von zahlreichen Psychologen und Wissenschaftlern in Europa getestet, vor allem durch den Prager Psychiater Oskar Fischer, meistens mit einem Ergebnis zugunsten seiner genialen Begabung, wenngleich er sich auch häufig irrte. Aus parapsychologischer Sicht diente ihm die vorgelegte Handschrift als lnduktor für seine vermutlich psychometrische Begabung.

Lit.: Hayek, Max: Das Geheimnis der Schrift. Verlag der Wiener Graphischen Werkstätte, 1923; Bagger, E.S.: Psycho-Graphology: A Study of Raphael Schermann. London, 1924; Fischer, O.: Experimente mit Raphael Schermann: ein Beitrag zum Problem der Graphologie, Telepathie und des Hellsehens. Berlin/Wien, 1924; Silva Mello, A. da: Mysteries and Realities of this World and the Next. London, 1958.

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