(Tungusisch saman, schaman; verwandt mit skrt. sramana, Büßer, Asket, Zauberer; engl. shaman), Person, die in bewusst herbeigeführter ritueller Ekstase mit jenseitigen Mächten kommuniziert.
Zu diesem Zweck begibt sich die Seele des S.n auf eine Jenseitsreise oder er ruft jenseitige Wesen herbei und lässt sie in den eigenen Körper eintreten, was einer Art „Besessenheit“ gleichkommt.
Der S. fungiert als Heiler, Wahrsager, Überbringer von Opfern an Jenseitige, wehrt böse Mächte ab, geleitet Seelen in das Jenseits, beeinflusst Wetter und Jagdglück. Unterstützt wird er dabei von Hilfs- oder Dienstgeistern.
Seine außergewöhnliche gesellschaftliche Stellung bedingt einen bestimmten Werdegang. So erfährt er seine Berufung häufig erst im Rahmen einer längeren Leidenszeit. Im euro-asiatischen Schamanismus endet diese Zeit damit, dass der S. zur Trommel greift und das Erleben nach ihrem Rhythmus neu ordnet. Die Schamenentrommel ist sein Hauptattribut.
Zu seiner Aufgabe berufen fühlt sich der S. gegen seinen Willen meist von jenseitigen Mächten (Ahnengeistern) in Träumen und Visionen, wobei ihm ein älterer S. dann das nötige Wissen vermittelt. Man spricht hier von einer erblichen Form des Schamanismus. Das einschneidendste Erlebnis ist die Initiation, bei der er in Visionen von Dämonen zerstückelt und anschließend wiederbelebt wird, also Tod und Wiedergeburt erfährt.
Es handelt sich beim S. um eine Person mit der untrüglichen Fähigkeit, gesteigerte Autosuggestivität und Halluzinationskraft hervorzurufen. So ist er in der Lage, zu einem selbstbestimmten Zeitpunkt in Trance zu fallen. Er ist jemand, der auf dem Weg der Selbstheilung zum Heiler geworden ist. Zur geistigen Begabung des S.n kommt eine sehr weitgehende Beobachtung und Übung parapsychologischer Erscheinungen und Kräfte des Unterbewusstseins wie Gedankenlesen, räumliches und zeitliches Hellsehen, Suggestion oder telepathische Träume. Magische Praktiken spielen bei ihm eine untergeordnete Rolle.
Bei den hocharktischen Völkern, z.B. den Inuit, erfolgt die Trance des S.n spontan, bei den Subarktikern hingegen durch den Gebrauch von Fliegenpilzabsud, Alkohol, Tabak oder das Einatmen von Räucherwerk.
Der wesentliche Teil der Effektivität des S.n liegt in der Intensivierung des Verhältnisses zur Geisterwelt beschlossen.
Der Unterschied zwischen S. und Medizinmann besteht nach dem Ethnologen Andreas Lommel (1912-2005) in der Form der Intensität des Berufungserlebnisses und in der anders gestalteten therapeutischen Methode. > Medizinmann und Schamane.
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