Schakal

Bezeichnet mehrere Arten von Wildhunden mit wolfsähnlicher Gestalt. Das Wort leitet sich vermutlich ursprünglich vom altindischen śṛgāláḥ ab, was so viel wie „der Heulende“ bedeutet.
Beim S. handelt es sich um ein vorwiegend nachtaktives Raubtier, das sich auch von Aas ernährt und dem die Schändung von Leichnamen angelastet wurde
‒ daher die Verbindung mit dem Totenreich: Der Tierkopf des schwarzen ägyptischen Totengottes Anubis wird oft als Schakalkopf gedeutet. Anubis überwachte beim Totenritual den irdischen Ritus der Einbalsamierung und den transzendenten Vorgang der Seelenwägung, wodurch er das Gewissen repräsentierte und die Seele vor ihrem Gang in die Halle des Gerichts reinigte. Sein richterliches Urteil hatte größtes Gewicht. Dies ist auch der Grund, weshalb untersuchende Beamte und Richter, auf deren Spürsinn es ankam, von alters her den Amtstitel „Schakal“ trugen.
In der ägyptischen Spätzeit wurden auch andere, dem S. verwandte Arten für heilig gehalten. Daher fand man auf Tierfriedhöfen die verschiedensten Arten von Caniden nebeneinander. Als verschlingendes Moment der Natur gehörten die Aasfresser bei vielen Völkern zum Wesen des Todes, der zugleich Ausgangspunkt für Transformation, Verwandlung und Neubeginn war. Tiere, die Leichen und Aas fressen, befreiten im frühen Denken die Seele aus ihrer Hülle und begleiteten sie auf ihrem Weg ins Jenseits. So bewachte in mythologischer Vorstellung vielfach ein S. die Pforte zur Unterwelt.
Für die Dogon, eine westafrikanische Volksgruppe im Osten von Mali, galt der S. als der Erstgeborene aller Wesen.
Gelegentlich wurde er als Symbol der Gier und des Zorns verstanden. In der Antike hingen ihm Eigenschaften wie Feigheit, List, Hinterlist und Sklavenmentalität an. Im Buddhismus verkörpert der S. einen im Bösen verhafteten Menschen.
Die Bibel beschreibt trockene Wüsten und Ruinen als größte Trostlosigkeit menschlicher Verfassung, wo Dämonen und Schakale heulen ‒ „Jerusalem mache ich zum Trümmerhaufen, zur Behausung für Schakale“ (Jer 9,10).

Lit.: Riede, Peter: „Ich bin ein Bruder der Schakale“ (Hi 30,29). Tiere als Exponenten der gegenmenschlichen Welt in der Bildsprache der Hiobdialoge, in: A. Lange/H. Lichtenberger/K.F.D. Römheld (Hgg.): Die Dämonen: die Dämonologie der israelitisch-jüdischen und frühchristlichen Literatur im Kontext ihrer Umwelt. Tübingen: Mohr-Siebeck, 2003.
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