Schaf

Eines der frühesten Haustiere. Die frühe Domestizierung entwickelte sich schon bald zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor. Das S. ist auch eines der häufigsten Opfertiere und als solches ein Symbol für Reinheit, Demut und Martyrium. Während schwarze Tiere früher die Unterweltgottheiten beschwichtigen sollten, betonte ein weißes Fell die Reinheit des Opfers, aber auch des Darbringers.
Besondere Bedeutung hatte das S. für die Prognostik. So diente die Schafsleber den Babyloniern zur Leberschau. Aus dieser gewinnen Heiler bis heute in manchen Kulturen individuelle Krankheits- und Werdegangsdiagnosen. Besonders Schulterblatt und Sprungbein wurden seit jeher zu einer umfassenden Vorschau herangezogen.
Aus christlicher Sicht ist das S. aufgrund seiner sprichwörtlichen Duldsamkeit ein Bild für die Frömmigkeit. Biblische Quellen betonen seine Schutzlosigkeit und sein Angewiesensein auf die Fürsorge des Hirten: „Die Lämmer trägt er auf dem Arm, die Mutterschafe führt er behutsam“ (Jes 40,11).
Die Ikonografie der Monatsbilder im Kalendarium der Stundenbücher enthält im Juni die Schafschur, wobei das von seiner Wolle entblößte Schaf den Einbruch der Schafkälte Mitte des Monats repräsentiert.
Im chinesischen Tierkreis ist das S. das achte Symboltier und kennzeichnet angeblich eher schüchterne und etwas pessimistische Zeitgenossen mit einem Hang zur Ästhetik.

Lit.: Haid, Hans: Das Schaf: eine Kulturgeschichte. Wien: Böhlau, 2010.
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