Schädelkult

Damit ist die Aufbewahrung und regelmäßige Beopferung von Schädeln bzw. präparierten Köpfen gemeint. Zugrunde liegt die Vorstellung, dass das menschliche Haupt Sitz einer positiven oder negativen Potenz sei, die zum einen zur Förderung von Wohlstand und Fruchtbarkeit, zum andern zur Abwehr von Feinden oder gefährlichen spirituellen Einflüssen mobilisiert werden könne. Der Schädel als traditioneller Sitz der Seele und, damit verbunden, magischer Kraft bildete auch die Grundlage der z.B. in Indonesien praktizierten Kopfjägerei und der indianischen Sitte des Skalpierens. Von der Beopferung solcher Trophäen versprach man sich eine direkte Wirkung. Ahnenschädel hingegen galten eher als Medium, durch das Wünsche der Opfernden an die im Jenseits weilenden Seelen der Vorfahren weitergeleitet wurden. Primitive Völker legen sich heute noch ganze Sammlungen von Schädeln an, um sich deren summierte Kraft zunutze zu machen. Dies wirkt zum Teil auch in dem Brauch nach, aus Schädeln zu trinken. Von Alchemisten wurden Schädel bevorzugt als Behälter bei Verwandlungsprozessen verwendet, im Sinne von „materielles Gefäß des Geistes“.

Lit.: Wieczorek, Alfried: Schädelkult: Kopf und Schädel in der Kulturgeschichte des Menschen. Regensburg: Verlag Schnell & Steiner, 2011.
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