Saturn

(Lat. Saturnus), Gottheit der römischen Mythologie, wurde schon früh mit dem griechischen Titanen Kronos, dem Gott der Zeit, gleichgesetzt, der dem Mythos zufolge die nachkommenden Generationen verschlingt. Diese Identifikation prägte auch die astrologische Ikonografie in Mittelalter und früher Neuzeit. Ein typisches Attribut in der bildlichen Darstellung ist daher eine Sense oder Sichel. Während Kronos mit einer solchen der Sage nach seinen Vater Uranos entmannt haben soll, verweist die Sichel bei S. auf seine Eigenschaften als Gott des Ackerbaus. Im römischen Mythos wird S. als mit einem wohltätigen Wesen behaftet beschrieben, dessen Zeitalter auf Erden eine Zeit der Harmonie und des Friedens gewesen sein soll, weshalb man ihn alljährlich vom 17. Dezember an über mehrere Tage in einem rauschenden Fest, den Saturnalien, hochleben ließ.
Was den astrologischen Aspekt anbelangt, so ist S. laut Paracelsus, der von der Verwandlung eines Metalls in ein anderes ausging und daher gleichnishaft auch die Bezeichnung der Planeten für Menschentypen benützte das Gestirn der Melancholiker, der Gehemmten und sozial Gehinderten, zugleich aber auch das einer dunklen Urweisheit. So bedeutet saturnino im Spanischen nicht nur „unter Saturns Einfluss stehend“, sondern auch „melancholisch“. In seiner Occulta philosophia führt Agrippa von Nettesheim 1531 an, dass alle, die unter dem Einfluss Saturns und seines furor melancholicus handeln und bei denen die Einbildung stärker hervortritt als die Vernunft, sich zu bedeutenden Künstlern entwickeln könnten, was dazu führte, dass sich ein Francisco Goya oder ein Albrecht Dürer in ihrem Schaffen auch mit S. als Verkörperung des Alters, der Imagination oder der Melancholie auseinandersetzten. Selbst den Beschwörungsgebeten des antiken Menschen, der den Planetengott dazu bewegen wollte, Dinge zu seinen Gunsten positiv zu beeinflussen, entnimmt man Eigenschaften, mit denen S. schon in der Antike in Verbindung gebracht wurde: Alter, Einsamkeit, Erstarrung, Kälte.
Aufgrund bestimmter Charakteristika wurden auch Pflanzen unter den Einfluss des Planeten S. gestellt. So erinnern die an Gehölzen auftretenden Jahresringe an S. als Chronokrator, als „Zeitherrscher“. Dunkle Blätter und Rinden würden auf das Greisenalter verweisen. Nicht zuletzt werden bewusstseinsverändernde Giftpflanzen, die mit den angenommenen Ingredienzien der Hexensalben übereinstimmen sollen, dem Kreis des S. zugeordnet.
Allgemein gilt der Einfluss von S. in der westlichen Astrologie eher als negativ, weshalb er auch als der „Große Übeltäter“ bezeichnet wird.

Lit.: Krause, Bernd Harald: Juppiter Optimus Maximus Saturnus: ein Beitrag zur ikonographischen Darstellung Saturns. Mainz: von Zabern, 1984; Klibansky, Raymond/Panofsky, Erwin/Saxl, Fritz: Saturn und Melancholie: Studien zur Geschichte der Naturphilosophie und Medizin, der Religion und der Kunst. Berlin: Suhrkamp, 1992.

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