Satori

Eine Erlebnisstufe in der Zenmeditation. S. ist „das Bewusstsein, das keine Wohnung hat“, „das Bewusstsein, das nichts besitzt“, der „heimatlose Geist“, der „ungebundene Geist“, „Nicht-Bewusstsein“, „Gedankenfreiheit“, der „eine Geist“. Wenn der Geist jenseits der Gedanken in absoluter Gegenwart ruht, dann ist das S. Bewusstsein im Zustand des S. hat keinen Inhalt und vermittelt kein Empfinden einer Erfahrung, obwohl es klar und eindeutig ist und damit auch Erfahrungscharakter hat. S. läßt sich auch nicht auf ein Gefühl zurückführen, genausowenig wie auf eine Intuition, also verfeinerte intellektuelle Einsicht. In der Schau aus S. gibt es keinen Sehenden und kein Gesehenes, da S. Einheit aufscheinen lässt, die nach dem „Ausschalten des Denkens“, also der Dualität schaffenden Erkenntnis, spontan gegeben ist. Diese Erfahrung ist, nach der Rinzai-Tradition, plötzlich und unmittelbar, wie ein Blitz in der Finsternis. Gerade hierin unterscheidet sich der Zen-Buddhismus von einer seiner Wurzeln, der Yoga-Wissenschaft vom Bewusstsein. Während im Yoga Erleuchtung allmählich wächst, überkommt sie den Zen-Schüler auf einmal und total.
Ein anderer Name für S. ist Kensho, „Einblick in die eigene Natur“ oder „Schau des Wesens“. Hier ist unter Natur oder Wesen nicht irgendein Persönlichkeitsmerkmal gemeint, sondern die Ganzheit des Seins. Kensho ist Schau des eigenen Wesens als Wesen aller Wirklichkeit. Wird die Schau des Wesens in der Begegnung mit Objekten der Erkenntnis aufrechterhalten, so ist auch da Kensho, als „Blick ins Sosein der Dinge“. S. ist völlig evident und endgültig. Wer es kennt, besitzt oder ist, weiß, daß es keinen weiteren Schritt zu tun gilt. Vollkommene Zufriedenheit und Ruhe haben sich eingestellt. Damit ist es der Höchstzustand des Bewusstseins in der Zen-Tradition. > Kensho.

Lit.: Kapleau, P.: Die drei Pfeiler des Zen. Bern u.a.: Scherz, 1981; Enomiya-Lasalle, H.M.: Kraft aus dem Schweigen: Einübung in die Zen-Meditation. Freiburg i.Br.: Herder, 1988.

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