Sator-Quadrat

Magisches Quadrat, bei dem die Buchstaben einer Reihe von Wörtern so angeordnet sind, dass sie sowohl von oben nach unten und umgekehrt als auch vorwärts und rückwärts gelesen werden können. Derlei Buchstabenquadraten werden magische Eigenschaften nachgesagt, und sie bilden angeblich die Grundlage für Zauberformeln. Das bekannteste Beispiel ist das sog. Sator-Arepo-Quadrat, das sich wie folgt zusammensetzt:

S    A    T    O    R
A    R    E    P    O
T    E    N    E    T
O    P    E    R    A
R    O    T    A    S

Das 25 Buchstaben umfassende Palindrom ist in der Antike durch ca. 15 Beispiele belegt, wobei der älteste Beleg aus dem Jahr 79 n. Chr. (Pompeji) zu stammen scheint, wahrscheinlich jedoch älter ist. Dazu treten koptische, äthiopische, byzantinische und mittelalterliche sowie frühneuzeitliche westliche Zeugnisse. Es existieren verschiedene Übersetzungs- und Interpretationslösungen. Eine wörtliche Übersetzung von SATOR AREPO TENET OPERA ROTAS würde lauten: „Der Sämann [oder Urheber] Arepo hält mit Mühen die Räder.“ Da dieser Satz vielen unsinnig erscheint, wurden verschiedene anagrammatische Umstellungen vorgenommen, z.B. „Der Schöpfer hält die Welt, die Welt hält der Schöpfer.“ Eine genaue Deutung der Formel ist unsicher, sicher aber ist die ihr zugeschriebene apotropäische Wirkung. Eine englische Handschrift des 11. Jahrhunderts deutet eine Funktion in der Geburtshilfe an und eine spätmittelalterliche isländische medizinische Handschrift weist auch in diese Richtung. Eine ebenfalls aus dem Spätmittelalter stammende volkssprachliche Handschrift aus England verbindet den Text der Sator-Formel mit dem Geburtssegen Elisabeth peperit Johannem. Mit einer völlig anderen Erklärung warten zwei Belege aus Schweden auf, die jeweils auf dem Boden eines Silber- und eines Holzbechers eingraviert sind und darauf hindeuten, dass die Formel als Schutz vor vergifteten Getränken zu verstehen sein könnte. Eine Münchner Handschrift des 15. Jh. schließlich verweist auf eine Reihe von Wettersegen. Darauf, dass es sich bei dem Sator-Quadrat nicht zuletzt um eine Abwehr von Wetterdämonen handelt, lässt die Anbringung der Formel auf Gebäuden sowohl in England als auch auf dem Kontinent schließen. Selbst in der Tiermedizin fand die Formel Verwendung, wie ein neuzeitlicher Beleg aus Baden-Württemberg zeigt.
Die vielfältigen Ausführungen des Sator-Quadrats lassen sich selbst im christlichen Mittelalter nicht auf ein bestimmtes eingrenzen, da ihm von koptischen Amuletten gegen Schlangenbiss über Wetterzauber bis hin zu Fieberabwehr und Verschlusszauber eine Reihe weiterer Bedeutungen zugeschrieben werden.

Lit.: Cancik, Hubert/Schneider, Helmuth (Hrsg.): Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike, Bd. 11. Stuttgart/Weimar: Metzler, 2001, Sp. 106; Simek, Rudolf: Dämonen, Teufel und Hexenglaube: böse Geister im europäischen Mittelalter. Wien/Köln: Böhlau, 2023; Marcovich, M.: Sator Arepo. Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphie 50 (1983), 155-171.

Setze ein Lesezeichen für den Permalink.