Satanismus

Bezieht sich auf jene transzendente Macht, die allgemein als Satan bezeichnet wird. Der Begriff entstammt dem Alten Testament und bedeutet zunächst Widersacher (1 Sam 29,4; Kön 5,18; 11,14.23.25), wird dann als spezielles Wesen zum Ankläger vor dem göttlichen Gericht (Sach 3,1.2; I Job 1,6; 2,1) und schließlich zum Gegner Gottes und des Lebens, zum Urheber des Todes (Weish 2,24) und zum Repräsentanten des Bösen. Gestalten wie Satan finden sich aber auch in an deren Religionen, so z.B. Mara im Buddhismus oder Ahriman im Parsismus. Im Islam ist Satan vor allem der Versucher.
Der eigentliche Satanismus als Identifizierung mit dem Bösen hat seinen tiefsten Grund in einem Ausleben sexuell orgiastischer Energien sowie in einer vitalen Auflehnung gegen die herrschenden moralischen Normen, wobei das Christentum mit dem Wachsen seiner moralischen Herausforderung zur besonderen Zielscheibe wurde, wie dies bereits in gnostischen Kulten, etwa bei den Phibioniten und Ophiten, besonders klar zum Ausdruck kam.
In neuerer Zeit wurde der S. durch Eliphas Lévi (1810-1875) und vor allem durch den Engländer Aleister Crowley (1875-1947) vertreten, der sich im Anklang an die Apokalypse als das „große Tier“ bezeichnete und die Maxime prägte: „Tue was du willst, soll das ganze Gesetz sein.“ Er gründete den „Ordo Argentinum Austrum“ sowie die Abtei „Thelema“ und verfasste u.a. ein Messritual, das von vielen Gruppen als Schwarze Messe aufgefasst wird. Crowley verstand die satanische Macht als absolut sexuell-orgiastische Energie, die den Kern des Alls bildet. Durch Innewerden dieser Macht erfahre der Mensch sich gegenüber allem und jedem als mächtig und göttlich.
Der moderne S. hat kaum noch theologische Inhalte, sondern ritualisiert und verbalisiert Protest, Gram, Aggression und Frustration. In deren Riten mischen sich pervertierte religiöse Zeremonien, sexuelle und okkulte Praktiken, die dezidiert ,,im Namen Satans“ ausgeübt werden. Die Inhalte dieser Bewegung hat sich nicht zuletzt die Unterhaltungsbranche zunutze gemacht, was in besonderen Musikrichtungen wie „Heavy Metal“ oder „Black Metal“ zum Ausdruck kommt.

Lit.: Zacharias, Gerhard: Satanskult und Schwarze Messe: ein Beitrag zur Phänomenologie der Religion. Wiesbaden: Limes, 2. Aufl. 1970; Wenisch, Bernhard: Satanismus: Schwarze Messen, Dämonenglaube, Hexenkulte. Mainz: Grünewald, 1988.

Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.