Sandbilder

(Engl. sandpaintings), Bilder aus farbigem Sand, die meist in symbolischen Handlungen, Gebeten oder Heilzeremonien Verwendung finden. Am bekanntesten sind jene der nordamerikanischen Ureinwohner (Pueblo-Indianer, Navajos) und der Tibeter.
Bei den nordamerikanischen S.n handelt es sich um symbolische Bilder, die an spezielle Zeremonien gekoppelt sind und ursprünglich mittels pulverisiertem rotem, gelbem und weißem Sandstein sowie zermahlener Holzkohle auf einen geglätteten, hellsandigen Boden „gemalt“ wurden. Die Navajo glauben in der Krankheit eine Disharmonie zu erkennen, die durch Gesang und Ritual wieder in Harmonie gebracht werden soll. Dabei werden mit aus der Natur gewonnenem Farbpulver S. auf den Boden des Zeremonialortes gestreut. Die fünf Hauptfarben heute sind Schwarz, Weiß, Rot, Ocker und Türkis, welche gleichzeitig die fünf Himmelsrichtungen symbolisieren. Die so entstandenen Bilder müssen am gleichen Tag wieder zerstört werden. Während eines mehrere Tage andauernden Heilungsrituals kann unter Gesängen eine ganze Reihe solcher S. kreiert und wieder gelöscht werden. Die zu behandelnde Person wird während der Zeremonie in ein Sandbild gestellt oder gesetzt und eine Handvoll Sand wird auf ihren Körper gegeben, um die Aufmerksamkeit der Götter auf die Person zu lenken.
Der tibetische Buddhismus kennt sog. Sandmandalas, die rituell wieder zerstört werden, um auf die Vergänglichkeit des Seins hinzuweisen. Nach Zeichnen des Grundrisses für das Mandala wird mittels eines Metallröhrchens entlang der vorgezeichneten Linien feiner, gefärbter Sand gestreut. Das Betrachten des Mandalas soll gegen Gier, Hass und Verblendung wirken, wird aber vornehmlich zur Unterstützung der Meditation verwendet. In einem Abschlussritual wird das Sandmandala dann zusammengekehrt und in einem Gefäß gesammelt. Anschließend wird der bunte Sand in ein fließendes Gewässer geschüttet oder in den Wind gestreut.

Lit.: Sander, Donald: So möge mich das Böse in Scharen verlassen: eine psychologische Studie über Navajo-Heilrituale. Solothurn/Düsseldorf: Walter-Verlag, 1994.
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