Salz

(Lat. sal), Symbol der Lebenskraft, Reinigung und Würze. S. galt auch als magische Substanz. So glaubte man Salzquellen oder Salzbrunnen als von Geistern bewohnt, weshalb man, um diese gnädig zu stimmen, in neu gegrabene Brunnen etwas S. zu streuen pflegte. Im Laufe der Zeit erfuhr diese Sitte einen Bedeutungswandel und ab dem späten Mittelalter hielt man das Streuen von S. für eine apotropäische (Übel abwehrende) Handlung. So streute man z.B. in Japan nach dem Verlassen eines ungebetenen Gastes und nach Bestattungszeremonien S. auf Türschwellen, Brunnenränder und Fußböden. Zigeunern, denen man Zauberkräfte nachsagte, warf man eine Prise Salz hinterher. Böse Geister versuchte man von Haus und Hof fernzuhalten, indem man an bestimmten Tagen Salz vor das Haus und die Ställe streute.
Im Gegensatz dazu soll der Empfang mit den Gaben Brot und Salz Gastfreundschaft symbolisieren. Die moderne Erklärung, den Betreffenden mögen Salz und Brot nie ausgehen, hat sich wohl erst nachträglich etabliert. Ursprünglich dürfte die Gabe den Hausgeistern gegolten haben, um deren Wohlwollen zu gewinnen.
In der Alchemie ist S. (meist sal genannt) neben Schwefel und Quecksilber eines der philosophischen Elemente und Weltprinzipien. Paracelsus und seine Anhänger betrachteten das Sal als Verkörperung der Eigenschaften des Feuerfesten und Unschmelzbaren.
Nicht zuletzt hat S. auch einen religiösen Bezug, was Christus in der Bergpredigt den Jüngern gegenüber zum Ausdruck bringt: „Ihr seid das S. der Erde. Wenn das S. seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten“ (Mt 5,13).
Und mit besonderem Verweis auf seine Würzkraft gilt S. ebenso als Sinnbild der geistreichen Rede und des Witzes: „Eure Worte seien immer freundlich, doch mit S. gewürzt; denn ihr müsst jedem in rechter Weise antworten können“ (Kol 4,6).

Lit.: Hehn, Victor: Salz: eine kulturgeschichtliche Studie. Darmstadt: Wiss. Buchges., 1964; Bergier, Jean-Francois: Die Geschichte vom Salz. Frankfurt/M.: Campus, 1989.
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