Zeremonielles Einreiben mit Öl, entweder als Weiheakt oder bei speziellen Riten zur Krankenheilung. Die S. mit „heiligem Öl“ ist häufig Bestandteil magischer Kulthandlungen.
Bei der S. handelt es sich um ein bereits seit der Zeit der altorientalischen Reiche belegtes religiöses Ritual der Heilung, der Heiligung sowie der Übertragung und Legitimation politischer Macht.
Seit dem Mittelalter galt die S. nach dem Vorbild der alttestamentlichen Könige in vielen europäischen Ländern als entscheidender Akt der Königserhebung. Die rituelle S. eines Königs erscheint erstmals im 1. Buch Samuel. Dort wird berichtet, dass der Prophet Samuel Saul zum ersten König von Israel gesalbt habe.
Im Grunde ging es stets darum, mittels S. konkurrierende Herrschaftsansprüche abzuweisen und die Legitimität eines Königs zu stärken. Das kirchliche Ritual sollte für jedermann sichtbar machen, wer der einzig wahre und rechtmäßige Herrscher war, der als Christus Domini, d.h. als Gesalbter des Herrn, seine Macht nicht Menschen, sondern allein der Gnade Gottes verdankte. Ihm sein Herrscherrecht streitig zu machen, war also ein Verstoß gegen die göttliche Weltordnung. Als Sakramentale verlieh die S. den Königen somit zusätzlich zu ihrer weltlichen Macht eine geistliche Bedeutung. Darüber hinaus verbreitete sich in Frankreich ab dem 12. und in England ab dem 13. Jahrhundert der Glaube, der rechtmäßig gesalbte König könne durch bloßes Handauflegen an Skrofulose erkrankte Menschen heilen. Damit wurde er durch die S. zum Thaumaturgen, und das Heilungsritual wurde in Frankreich und England zum festen Bestandteil der Krönungsfeierlichkeiten.
Die Krönung britischer Monarchen ist die einzige, in deren Verlauf heute noch eine S. erfolgt. Diese gilt jedoch als so sakrosankt, dass sie nicht vor aller Augen gespendet wird. Bis 1953 hielten während des Rituals vier Ritter des Hosenbandordens einen Baldachin über den neuen Herrscher. Für die Krönung von König Charles III. 2023 wurde als Sichtschutz eigens ein Salbungsschirm geschaffen und geweiht.
Als kirchliches Ritual ist die S. bis heute Bestandteil mehrerer Sakramente und Sakramentalien (rituell-symbolische Handlungen) im Katholizismus, wobei vier der sieben Sakramente eine S. beinhalten: Taufe, Firmung, Priesterweihe und Krankensalbung.
Auch in den orthodoxen Kirchen geht die Spendung einiger Sakramente mit einer Salbung einher.
Lit.: Bloch, Marc: Die Wundertätigen Könige. München: C.H. Beck Verlag, 1998; Hagin, Kenneth E.: Die Salbung. Augsburg: Durchbruch Verlag, 4. Aufl. 2006.