Sakrales Königtum

Eine vor allem in Afrika, Tibet und Altamerika früher verbreitete politisch-religiöse Ordnung, an deren Spitze ein als heilig angesehener Souverän stand, der als Spross übermenschlicher Mächte galt, als Gott selbst oder dessen Inkarnation. Daher entwickelte sich um ihn herum ein besonderes Zeremoniell (Unberührbarkeit, indirekte Anrede, bestimmte Speisevorschriften). Im Kult oblagen ihm Aufgaben, die aufgrund der ihm zugeschriebenen Befähigung zur Bewältigung des Außergewöhnlichen nur er übernehmen konnte. Er war persönlicher Garant für das Wohlergehen der von ihm abhängigen Gemeinschaft und wurde bei Katastrophen, Kriegen, Seuchen oder Nachlassen seiner Kräfte entweder rituell getötet oder durch Gift oder Strangulation zur Selbsttötung gezwungen.
Um dem Altersverfall vorzubeugen, konnte die Regierungszeit des Königs von vornherein auf eine bestimmte Anzahl von Jahren begrenzt werden. Auch eine Substitution des Königsopfers durch Rituale, Opferung oder Exil eines Sklaven war möglich.

Lit.: Wörterbuch der Völkerkunde. Begründet von Walter Hirschberg. Berlin: Dietrich Reimer, 1999.
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