Saint-Germain

Graf von (* 1691 oder 1710 ; † 27.02.1784 Eckernförde, Schleswig-Holstein), bekannt auch unter den Namen Aymar, Marquis de Betmar, Graf Welldone; Abenteurer, Okkultist, Alchemist, Musiker, Diplomat, angeblich Eingeweihter.
Die erste Nachricht über den legendenumrankten Abenteurer stammt aus einem Brief des englischen Schriftstellers Horace Walpole (1717-1797) vom 9. Dezember 1745 an Horace Mann (zitiert bei Andrew Lang, Historical Mysteries). In der Adyar-TG gilt S.-G. als Meister des 7. Strahls („Meister Rakoczi“) und als Inkarnation von Francis und Roger Bacon. S.-G. war wahrscheinlich portugiesischer Herkunft und erzielte durch sein gewinnendes Äußeres und sein ungewöhnliches Gedächtnis an den Höfen Europas große Erfolge. Zunächst Günstling Ludwigs XV., fand er dann auch in England Eingang in die besten Kreise und nahm schließlich 1762 an der Revolution in Russland teil. Er behauptete auch, in die höheren Grade der Freimaurerei eingeweiht zu sein.
S.-G. starb 1784 auf Schloss Gottorp in Schleswig beim Landgrafen Karl von Hessen-Kassel, der ihm im Schlossturm ein Alchemistenlaboratorium eingerichtet hatte. Im dortigen Kirchenbuch ist sein Todesdatum vermerkt, am 2. März 1784 wurde er in der Kirche St. Nikolai bestattet. Nach einer anderen Version starb er erst 1795. Sein Epitaph fiel einer Sturmflut zum Opfer.
Die Legende, dass S.-G. aufgrund eines angeblich eingenommenen Lebenselixiers nicht gealtert sei bzw. noch lebe, geht vermutlich auf eine ironische Bemerkung Voltaires in einem Brief vom 15.04.1760 an Friedrich den Großen zurück. Darin heißt es über S.-G.: „Ein Mann, der niemals stirbt und alles weiß.“ Manche Menschen behaupteten, S.-G. post mortem real begegnet zu sein bzw. ihn gesehen zu haben (1789 in Paris am Freimaurerkongress; 1793 habe er Königin Marie Antoinette im Gefängnis besucht; 1869 beim FM-Treffen in Mailand; Annie Besant 1896; C.W. Leadbeater 1926 usw.). Die 225. Wiederkehr seines Todestages 2009 wurde mit Symposien und Führungen begangen.
Es gibt auch einen französischen Okkultisten namens Robert François Quesnay de Saint-Germain.

W.: La Trés-Sainte Trinosophie (Die Hochheilige Trinosophia), 1750.
Lit.: Volz, Gustav Berthold: Der Graf von Saint-Germain ‒ das Leben eines Alchemisten nach großenteils unveröffentlichten Urkunden. Dresden: Paul Aretz Verlag, 1923, 1925; Cooper-Oakley, I.: The Comte de St. Germain. Mailand, 1912; London, 1927; Lhermier, Pierre: Le mystérieux Comte de Saint-Germain. Paris, 1943; George, Michael: Das Licht Gottes versagt nie. Verl. Falk, o.J.; Krassa, Peter: Der Wiedergänger ‒ Das zeitlose Leben des Grafen von Saint-Germain. München: Helbig, 1998; Volz, Gustav Berthold/Feuerstack, Christiane (Hrsg.): Graf Saint-Germain: im Spiegel der Widersprüche. Eckernförde: Borbyer Werkstatt Verlag, 2004.
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