Sai Baba, Sri Sathya

Pseud. (* 23.11.1926 Puttaparthi, Andra Pradesh/Indien; † 24.04.2011 ebd.), eigentl. Ratnakara Sathyanarayana, umstrittener indischer Weisheitslehrer, Siddhi-Meister, Yogi, Heilungsguru aus der Raju-Kaste.
S. zeigte keine besonderen Fähigkeiten, bis er 1940 von einem Skorpion gestochen wurde. 1935 soll Baba seinen Anhängern zufolge Familie und Freunde zusammengerufen, Süßigkeiten und Blumen aus der Luft „materialisiert“ und sich als „Sai Baba“ geoffenbart haben. Er behauptete, die Reinkarnation des Sai Baba von Shirdi zu sein, verstand sich später selbst als Avatar (Inkarnation von Shiva und Sakti) und sogar als lnkarnation von Jesus Christus. Er war der Überzeugung, in seiner nächsten Inkarnation im Bundesstaat Karmatate als „Prema-Sai“ zu leben und proklamierte 1976 die universalistische Sai-Religion als eine Einheit aller Religionen in Liebe. Sein Ashram in seinem Geburtsort im südindischen Andhra Pradesh wurde zum Zentrum der Sai-Religion.
Berühmt und umstritten zugleich sind seine paranormalen Fähigkeiten (Telepathie, Wunderheilungen) und Produktionen (Lingam), vor allem die Materialisation von vibhuti (heilige Asche) sowie die angeblichen Teleportationen. Die Analyse der mysteriösen grauen Substanz ‒ ähnlich der Asche von verbrannten Räucherstäbchen ‒ ergab, dass sie aus Kieselsäure bestand; mit vibhuti können angeblich Krankheiten geheilt werden.
Im August 1992 soll S. als Geschenk für den Architekten eines Gebäudes in seinem Ashram eine Goldkette teleportiert haben. Doch war auf dem Videomitschnitt für das nationale TV eine Hand sichtbar, die eine Goldkette unter einem Stein hervorholte und diese S. überreichte. Obgleich viele seiner Vorführungen den Eindruck von Bühnen-Zaubertricks hatten, sollen auch echte Phänomene beobachtet worden sein (siehe die Berichte in dem Buch von Karlis Osis und Erlendur Haraldsson).

Lit.: Hummel, Reinhard: Guru, Wundertäter, Religionsgründer: Sathya Sai Baba. Materialdienst 47 (1984), 28-35; Haraldsson, Erlendur: Sai Baba ‒ ein modernes Wunder. Freiburg i.Br.: Bauer, 3. Aufl. 1993; Wisemann, R.: Deception & Self-Deception: Investigating Psychics. N.Y.: Amherst, 1997.
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