Die isländischen „Sagen“, zum Teil noch aus dem 12. Jh. stammende Prosageschichten über Helden und das gehobene bäuerliche Milieu, die von Berufserzählern ursprünglich mündlich tradiert wurden. Zu den frühesten S. gehören die Königsgeschichten, die ab ca. Mitte des 12. Jh. bis gegen Ende des 13. Jh. niedergeschrieben wurden. Die bedeutendste Gruppe der S. bilden die ausschließlich anonym überlieferten Isländergeschichten. Die Bischofssagas mit z.T. hagiographischem Charakter berichten von der isländischen Kirche seit der Christianisierung und ihren Bischöfen. Weiters ist eine Gruppe von mythisch-sagenhaften Erzählungen zu nennen, denen stofflich germanische Heldensagen und Wikingersagen zugrunde liegen („Völsunga saga“). Zur Sagaliteratur gehören ebenso die Rittersagas, Übersetzungen lateinischer Werke, Übertragungen von Heiligenlegenden sowie die späten Märchensagas, die auch orientalische Stoffe verarbeiten.
Ein wichtiges Element in der Sagaliteratur, die von Kampf- und Schlachtenschilderungen beherrscht wird, bietet der gehäuft auftretende Kampfzauber. So ist die Rede davon, dass der „böse Blick“ und das Starren der Berserker Waffen stumpf machen konnten. In der Gunnlaug-Saga wird es als besonders wichtig hingestellt, den Ausgang der Schlachten schon vorher zu wissen. So berührten die Zauberer die Kämpfenden jeweils vor der Schlacht an den gefährdeten Stellen, um eine drohende Verwundung mittels Amulett abzuwenden. Häufig erwähnte Phänomene sind der Zauberwettkampf und die Vorstellung von einem tiergestaltigen Schutzgeist. Eine ebenfalls nicht zu unterschätzende Rolle spielen Zaubersprüche und deren Auswirkungen.
Die Blütezeit der S. lag im 13. und 14. Jahrhundert. Da diese nicht immer, wie früher angenommen, auf einer ungebrochenen mündlichen Tradition beruhen, sind ihre Aussagen im Hinblick auf die heidnische germanische Religion mit Vorsicht zu genießen.
Lit.: Schier, Kurt: Sagaliteratur. Stuttgart: Metzler, 1970; Habiger-Tuczay, Christa: Magie und Magier im Mittelalter. München: Diederichs, 1992; Holzapfel, Otto: Lexikon der abendländischen Mythologie. Freiburg i.Br.: Herder, 2002.