Als Stützen von Gebäuden allgemein Symbole der Festigkeit und der tragenden Kraft. So standen beispielsweise am Eingang der Vorhalle des Salomonischen Tempels die zwei symbolisch bedeutungsvollen S. Jachin („Er lässt fest stehen“) und Boas („In ihm ist Kraft“), deren Nachbildungen später in den Tempeln der Freimaurer eine wichtige Rolle spielten.
Die Ägypter und andere altorientalische Völker sahen in ihren Tempeln und Palästen Nachbildungen des Weltgebäudes und deren S. als eine Art steinerne Himmelsträger.
Die Säule in ihrer vollständigen Gestalt mit Basis und Kapitell kam ganz allgemein dem Symbolgehalt des Lebensbaumes nahe. In der Ostkirche verbrachten bestimmte Mönche ihr Leben zum Zeichen besonderer Askese auf den Kapitellen von S., weshalb man sie ab dem 4./5. Jahrhundert als Säulenheilige oder Styliten bezeichnete.
Neben architektonisch gebundenen S. begegnen in einigen Kulturen auch einzelne, freistehende Pfeiler oder S., so z.B. die nach dem Kriegsgott Irmin benannte und die heilige Weltesche darstellende Irminsul bei den Sachsen, die dann 772 auf Veranlassung Karls des Großen von den Franken zerstört wurde.
Nicht zuletzt spielen S. eine wesentliche Rolle in der religiösen Literatur, so z.B. die Feuer- und Wolkensäule, als welche Gott das Volk Israel durch die Wüste führte. Das AT spricht von den S. des Himmels (Ijob 26,11) und das NT von den Aposteln als S. des Glaubens (Gal 2,9). Die Geißelsäule zählt zu den Arma Christi (Leidenswerkzeuge).
Als Monument reicht die Säule von den Kultsäulen über die römischen Triumphsäulen bis hin zu den Pestsäulen, die als Votiv an das Ende der Pest erinnern.
Lit.: Blersch, Hartmut Gustav: Die Säule im Weltgeviert: der Aufstieg Simeons, des ersten Säulenheiligen. Trier: Paulinus, 1978.