Sadhu

Hinduistische Bezeichnung für einen Heiligen oder Asketen, welcher der Welt entsagt hat und nach spiritueller Befreiung strebt.
Viele Männer entscheiden sich schon in jungen Jahren zu einem Leben als S. Ein Guru, dem sich der Suchende anschließt, führt ihn in die spirituelle Lehre sowie in Techniken der Askese und Meditation ein. Anschließend legt der Betreffende ein persönliches Gelübde ab, das je nach den Vorschriften des jeweiligen Gurus mit verschiedenen Anforderungen verbunden sein kann. Manche S.s verbringen ihr Leben in völliger Nacktheit.
Oft bilden S.s Gemeinschaften in Ashrams oder leben in mit Tempeln verbundenen Wohnräumen, wo sie sich dem spirituellen Leben hingeben sowie die heiligen Schriften studieren und lehren. Viele von ihnen widmen sich neben spirituellen Aktivitäten auch philanthropischen oder humanitären Aufgaben.
Manche umherwandernde, besonders asketische S.s hausen in Höhlen oder sind auf ständiger Wanderschaft. Viele rauchen Haschisch oder Cannabis, u.a. zum Zweck der Meditation.
Neben den S.s, die sich der spirituellen Entwicklung widmen, gibt es auch einige, die zur Demonstration völliger Hingabe bizarre Leistungen vollbringen, z.B. jahrelang in stehender Haltung verbringen. Derlei Handlungen werden als Opfer für den jeweiligen Gott angesehen. Durch sie streben die S.s nach mystischer Einsicht.
In Indien genießen S.s meist hohes Ansehen, da ihre Askese nicht nur als persönliche Aufgabe, sondern auch als stellvertretende Handlung für viele gesehen wird.

Lit.: Streeter, B.H./Appasamy, A.J.: The Sadhu. A Study in Mysticism and Practical Religion. Delhi, 1987.
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