Sabbatianismus

Häretische Bewegung in der jüdischen Mystik. Als Begründer gelten Nathan von Gaza (1644-1680) und der kabbalistische Messias Sabbatai Zwi (1626-1676). Hauptcharakteristikum der Bewegung ist die praktizierte Gesetzesverletzung.
Laut Darstellung des deutsch-jüdischen Gelehrten und Kabbala-Forschers Gershom Scholem soll der manisch-depressive Sabbatai Zwi in seiner manischen Phase gegen das Gesetz verstoßen und dies dann in der depressiven Phase bereut haben. Er suchte Hilfe bei Nathan, der die Psychose jedoch aufgrund einer Vision noch stabilisierte: Er verkündete Sabbatai Zwi zum verheißenen Messias. Beim Versuch, den Sultan in Konstantinopel abzusetzen, wurde Sabbatai Zwi gefangengenommen und gezwungen, zum Islam überzutreten.
Sowohl Nathan von Gaza als auch Sabbatai Zwi hatten visionär-prophetische Gesichte mit wahrscheinlich präkognitiven Inhalten.
Der S. fand Nachfolger in dem christlich-kabbalistischen Zirkel der Frankisten und der jüdisch-islamischen Sekte der Dönmeh.

Lit.: Scholem, Gershom: Sabbatai Zwi: der mystische Messias. Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, 1992.
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