Rusalka

(Plur. Rusalki, dt.: Rusalken), leitet sich von altruss. rusalija her, womit ein Frühlingsfest gemeint ist, das möglicherweise auf die für den antiken Balkan belegten Rosalien und damit auf ein ursprünglich mit dem Totenkult zusammenhängendes römisches Rosenfest zurückgeht.
Nach slawischem Volksglauben handelt es sich bei den Rusalki um die in Gewässern hausenden Geister von Mädchen und Frauen, die einen „unreinen“ Tod erlitten, d.h. ungetauft oder kurz vor ihrer Hochzeit verstarben bzw. ertranken. In volkskundlichen Erzählungen erscheinen sie ausschließlich in der auf Pfingsten folgenden Rusalka-Woche. So sollen sie in Neumondnächten an Land kommen und auf Waldwiesen Reigen tanzen. Einerseits werden sie als wunderschöne Mädchen, andererseits als alte, hagere Frauen beschrieben, deren schallendes Gelächter Menschen töten könne. Auch bewirkten sie eher Schaden als Nutzen, und nur wer die von ihnen aufgegebenen Rätsel löse, könne ihrer Macht entkommen.
Seit dem 18. Jh. sind die Rusalki Gegenstand der Forschungen zu slawischer Volkskunde und Religion. Außer in Volksliedern und in der Dichtung wurden sie auch filmisch und musikalisch verarbeitet.

Lit.: Arrowsmith, Nancy: Die Welt der Naturgeister: ein Handbuch zur Bestimmung der elbischen Wald-, Feld-, Wasser-, Haus-, Berg-, Hügel- und Luftgeister. Eichborn, 1984; Deppermann, Maria: Rusalka – Nixe der Slawen: zur Imago der nichtkanonisierten Frau in der russischen Literatur von der Romantik zur Moderne, in: Jost Eickmeyer/Sebastian Soppa (Hrsg.): Umarmung und Wellenspiel: Variationen über die Wasserfrau. Overath/Witten: Bücken & Sulzer Verlag, 2006, S. 151-197.
Setze ein Lesezeichen für den Permalink.