Runen

(Ahd. rūns, geheime Beratung, Geflüster; lebt im Verb „raunen“ bis heute weiter). Den R. wurde göttlicher Ursprung zugeschrieben. Nach mythischer Überlieferung erfand sie der höchste germanische Gott Odin.
Es handelt sich dabei um von germanischen Stämmen verwendete Schriftzeichen, die auf der Grundlage eines fremden (nordetruskischen?) Alphabets und im Rückgriff auf einzelne vorrunische Sinnzeichen (Radkreuz, Hakenkreuz usw.) im 1./2. Jh. v. Chr. in den nordischen Ländern in Gebrauch kamen und gleichzeitig Begriffssymbole darstellten. Dies beweisen nicht zuletzt Steine mit magischen Aussagen in R.-Schrift als Grabbeigaben oder kultische Bilder mit R. auf Felsen. R.inschriften auf Gräbern sollten vornehmlich Grabfrevler abschrecken.
Alle R. hatten einen Namen, wobei nur der jeweils erste Buchstabe den Lautwert des Zeichens wiedergab. Jede Rune besaß eine eigene religiös-weltanschauliche Symbolik, was darauf hindeutet, dass die R. nicht in erster Linie zur Übermittlung profaner Informationen, sondern zu magischen Zwecken und insbesondere der Weissagung dienten. Dass sie zur Zukunftsvorhersage benutzt wurden, beschreibt der römische Geschichtsschreiber Tacitus in seinem Werk Germania.
Das ursprüngliche R.alphabet (nach den ersten 6 Zeichen futhark genannt) mit seinen 24 R. galt als Zusammenfassung aller magischen Kräfte. Aus der Edda geht hervor, dass die R. häufig mit Blut eingefärbt wurden, um ihre Kraft zu steigern. Daneben gab es auch R.alphabete mit 16 Buchstaben; einige altenglische Inschriften zeigen 31 R.zeichen. Die meisten R.inschriften finden sich in Irland, Nordschweden und Island. Mit der aufkommenden lateinischen Schrift im Zuge der Christianisierung rückten die R. zunehmend in den Hintergrund.

Lit.: Düwel, Klaus: Runenkunde. Stuttgart: J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung, 1968; Klingenberg, Heinz: Runenschrift ‒ Schriftdenken ‒ Runeninschriften. Heidelberg: Carl Winter-Universitätsverlag, 1973; Tegtmeier, Ralph: Runen: Alphabet der Erkenntnis. Königsfurt: Urania, 1997.
Setze ein Lesezeichen für den Permalink.