Rothe, Anna

Geb. Johl (* 1850 Altenburg; † 1907), deutsches, namentlich durch „Blumenapporte“ bekannt gewordenes betrügerisches Medium. R. wohnte viele Jahre in Chemnitz, übersiedelte dann nach Schöneberg bei Berlin. Mit dem ehemaligen Volksschullehrer Jentsch als Impresario habe sie in Paris, Brüssel, Zürich und an verschiedenen Orten Deutschlands spiritistische Sitzungen abgehalten. Im Dez. 1901 überführten Kriminalkommissar Leonhardt und der Berliner Kriminalkommissar von Kracht mit der Polizeiagentin Binswanger R. des Betrugs (Blumen waren in den Taschen des Unterrocks versteckt) und verhafteten sie. Nach einer acht Monate langen Untersuchungshaft folgte im März 1903 vor der Ersten Strafkammer des Landesgerichts Berlin der Prozess, der die Kulturwelt Deutschlands eine Woche lang in Atem hielt. Urteil: zehn Monate Gefängnis für die Angeklagte sowie Aufkommen für die Kosten des Prozesses. Als Sachverständiger war u.a. Max Dessoir beteiligt.

Lit.: Bohn, Erich: Der Fall Rothe. Breslau, 1901; Friedländer, Hugo: Interessante Kriminalprozesse von kulturhistorischer Bedeutung, Bd. 1-12. Berlin: Verlag Hermann Barsdorf/Verlag Berliner Buchversand, 1911-21.
Setze ein Lesezeichen für den Permalink.