Taucht von allen Farben am frühesten in symbolischer Bedeutung auf und war oft mit magischen Vorstellungen verknüpft. So streute man in prähistorischer Zeit rote Ockererde auf Leichen, um ihnen das Weiterleben zu sichern. In Hellas wurden die Verstorbenen mit einer roten Decke verhüllt. Im Altertum war auch der Glaube verbreitet, dass R. Gefahren abwehren könne, weshalb man z.B. manchmal Tiere, Bäume und Gegenstände mit roter Farbe bestrich, um sie vor bösen Einflüssen zu schützen.
In Ägypten hatte die Farbe R. einen negativen Anstrich. Der Schreiber auf dem Papyrus verwendete daher für üble Wörter rote Schreibflüssigkeit.
Bei den Römern war R. als Symbol der Macht die Farbe der Kaiser und Konsuln. Die römische Braut erschien mit einem feuerroten Schleier, dem Flammeum, verhüllt zur Hochzeit ‒ ein Sinnbild für Liebe, Leidenschaft und Fruchtbarkeit.
Im Mittelalter wurde als Stempelfarbe bei der Besiegelung eines Todesurteils R. verwendet, der Henker war ebenfalls in R. gekleidet und bis in neuere Zeit sind mancherorts auch die Richtertalare noch in dieser Farbe.
Auf der einen Seite ist R. also die Farbe des Krieges, des Blutvergießens, der zerstörerischen Macht des Feuers; auf der anderen Seite die Farbe des Lebens und der Liebe, der Wärme, Leidenschaft und Fruchtbarkeit.
In der Bibel ist R. die Farbe der Sünde und Sühne. Die Kardinäle tragen R. mit Bezug auf das Blut der Märtyrer. Die Hure Babylon, Sinnbild gottfeindlicher Mächte und Ausdruck ungezähmter Begierden, war ebenfalls in Purpur und Scharlach gekleidet. Auch Satan und die verzehrende Gewalt des Höllenfeuers werden mit der Farbe R. in Verbindung gebracht.
Als auffällige Signalfarbe, die Aufbruch verspricht, ist R. nicht zuletzt die Bannerfarbe der Revolution und heute des Kommunismus.
Lit.: Wunderlich, Eva: Die Bedeutung der roten Farbe im Kultus der Griechen und Römer. De Gruyter, 1925; Lurker, Manfred: Wörterbuch der Symbolik. Stuttgart: Kröner, 1991.