Romantik

Eine ursprünglich in Deutschland beheimatete, um 1800 beginnende nachaufklärerische geistesgeschichtliche Epoche, die sich des von der Aufklärung verdammten okkulten Gegenstandes wieder annahm. Aufgrund ihrer Aufgeschlossenheit für das Erlebnis, das Irrationale, das Historische, durch ihre Zuwendung zum Mittelalter, zum Katholizismus und zu den Sprachen und Kulturen Asiens leistete sie einen erheblichen Beitrag zur religionsgeschichtlichen und religionsvergleichenden Forschung. So ließ sie sich von den Mythologien der Völker, insbesondere von der Spiritualität Indiens inspirieren. Auch die Kabbala spielte eine Rolle. Viele Themen der Romantik haben bereits eine lange Vorgeschichte in der abendländischen Esoterik. Für die Geschichte der Esoterik ist auch die sog. „schwarze Romantik“ von Bedeutung, die über Tod und Schrecken reflektiert.
Charakteristisch für die R. ist ‒ als Antwort auf den rasanten technischen Fortschritt ‒ die Suche nach dem Magischen, Übernatürlichen, Wunderbaren. Der Hang zum Unwirklichen, die Rückbesinnung auf die Vergangenheit, das Wiederaufflammen des katholischen Glaubens, die Überbetonung von Geist und Seele sind als Flucht aus der Wirklichkeit und als Kritik an der damals vorherrschenden politischen und gesellschaftlichen Situation zu sehen.
Durch die poetische Betrachtung der Wirklichkeit, die bis zur Verklärtheit reichte, trafen die Dichter der Romantik den Nerv der Zeit ‒ allen voran Novalis, der durch seinen frühen Tod mit nur 28 Jahren zum Mythos der romantischen Bewegung wurde. Die Spätromantik verwendete auf ihrem Höhepunkt das Skurrile, Groteske und Dämonische als Stilmittel. Schauerromane nach dem Vorbild des amerikanischen Schriftstellers Edgar Allen Poe erfreuten sich großer Beliebtheit. Die Deutsche Revolution 1848 setzte der deutschen Literaturromantik ein Ende, wenngleich sich ihr Einfluss auch in einigen Werken der Moderne findet.

Lit.: Klein, Jürgen: Der Gotische Roman und die Ästhetik des Bösen. Darmstadt: Wiss. Buchges., 1975; Goodman-Thau, Eveline u.a. (Hrsg.): Kabbala und Romantik. Tübingen: Niemeyer, 1994; Berlin, Isaiah: Die Wurzeln der Romantik. Berlin: Berlin Verlag, 2004; Dermenghem, Émile: Les sources occultes du romantisme. Revue dʼhistoire de lʼEglise de France 67 (1929), 223-225.
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