Rolle, Richard von Hampole

(Ca. 1300-1349), visionärer Dichter, erster großer Liebesmystiker der engl. Tradition, Eremit. R. studierte zunächst Theologie in Oxford, brach dann nach einigen Ausschweifungen das Studium infolge eines Bekehrungserlebnisses ab und lebte als Einsiedler. Nach Wiederaufnahme des Theologiestudiums folgte er endgültig seiner Berufung zum kontemplativen Leben.
Sein Weg der Mystik führte von einer Periode der Läuterung und Askese über eine Phase der aktiven Zuwendung zum Glauben zur ekstatischen Erfahrung des „Feuers der göttlichen Liebe“. Wie viele Mystiker bediente sich auch R. des Stilmittels der Katachrese (rhetorische Figur), um das Unaussprechliche mitzuteilen. Kennzeichnend für seine Erlebnismystik sind ekstatische Entrückung, das Gefühl der Süße, Auditionen von „himmlischen Chören“ sowie physiologische Wärmeempfindungen in der Herzgegend. Seine diesbezügliche Interpretation sinnlicher Phänomene brachte ihm auch Kritik ein.
R.ʼs schriftstellerische Arbeit umfasst u.a. Meditationen zur Passion Christi, religiöse Lyrik und zahlreiche didaktische Abhandlungen. Seine lateinischen Werke (Handschriften und Inkunabeln) fanden weite Verbreitung auf dem Kontinent.

Lit.: Allen Hope, Emily (Hrsg.): English Writings of Richard Rolle, Hermit of Hampole. Oxford: Clarendon Press, 1931; Del Mastro, Lucy: The Fire of Love and the Mending of Life. New York: Doubleday, 1981; Watson, Nicholas (Hrsg.): Richard Rolle: Emendatio vitae, Orationes ad honorem nominis Ihesu. Toronto: The Pontifical Institute of Mediaeval Studies, 1995.
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