Rockenphilosophie

Die um das 13. Jh. oder schon früher aufgekommene Sitte der Frauen und Mädchen, sich zur gemeinsamen Arbeit am Spinnrocken zu versammeln, bildete die Voraussetzung für eine ziemlich umfangreiche Literatur über das Treiben in den Spinnstuben bzw. die Sitten und Unsitten, die sich dort angeblich breitmachten. Die Idee, eine Sammlung abergläubischer Bräuche als Niederschlag von Spinnstubengesprächen darzustellen, entstand vermutlich zuerst in Frankreich oder Belgien. Die Aufklärungspolemik richtete sich gegen diese sog. R. Mit diesem Begriff wurde seit der Aufklärung in abschätziger Weise der unter Frauen in Spinnstuben verbreitete Volksglaube bezeichnet. Auszüge aus der z.B. als „Chemnitzer Rockenphilosophie“ bekannten Sammlung tauchen noch in vielen späteren Werken auf, so auch in der Deutschen Mythologie der Gebrüder Grimm.

Lit.: Schmidt, Johann Georg: Die gestriegelte Rocken-Philosophia, oder auffrichtige Untersuchung derer von vielen super-klugen Weibern hochgehaltenen Aberglauben. Chemnitz: Stössel, 1705.
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